Archiv der Kategorie: Allgemein

Die Haltung ist entscheidend!

Was ist „die Realität“?

Gibt es eine Realität, da draussen? Oder sind es nur Ereignisse und Situationen, die wir bewerten, und uns daraus eine Wirklichkeit konstruieren? Ich habe eine interessante Geschichte gehört: Zwei Freundinnen fahren in den Ferien in einem Taxi, währendem das Radio läuft. Bei einem Song plötzlich wurde es ganz still, und alle lauschten dem Lied. Währendem bei der einen Tränen über die Backen kullerten, gingen die Mundwinkel bei der anderen nach oben. Was war passiert? Der gleiche Song lief bei der Beerdigung der Mutter der einen Person, bei der anderen an der Hochzeit. Doch was kann die Sängerin im Radio oder das Radio selbst dafür? Was kann „die Realität“ dafür? Nichts.

Was wir denken, ist.

Es ist also nicht entscheidend, was – von unserem Gehirn aus gesehen – „da draussen“ passiert. Das Gehirn ist eingesperrt im Schädel und wird das Tageslicht nie erblicken. Es hat jedoch mit den fünf Sinnen „Verbindungen“ zu den Sensoren nach draussen. Es hat Erfahrungen und muss aus den Sinneswahrnehmungen selber Bilder erzeugen und interpretieren, Entscheidungen treffen und Aktionen auslösen. Das geht von ganz rudimentären Funktionen wie: „Kälte => Zieh eine Jacke an“ bis zu komplexen Funktionen: „Klang der Musik => Schmerz und Trauer => Weinen“. Was wir also denken, ist Interpretationssache!

Was können wir daraus lernen?

Wir sind menschliche Wesen und unser Hirn besteht aus vielen Synapsen und das allermeiste geschieht im Unterbewusstsein. Wir können nicht alle Wahrnehmungen und Aktionen analysieren und verändern. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir (und alle anderen Menschen auch) nur eine mögliche Realität sehen. Die anderen sehen vielleicht eine ganz andere Realität. Und die ist genauso richtig, wie die unsere. Das würde die Beziehungen unter den Menschen entspannen.

Die Haltung zählt

Wenn wir wissen, dass was da draussen passiert, wir selber bewerten, dann können wir daraus ableiten, dass eine gute Haltung dazu wichtig ist. Und so sollten wir es tun: Wie ein alter Grieche, bevor er in die Schlacht zieht; wie ein Samurai, bevor er aufs Kriegsfeld zieht. Auch physisch bleiben wir aufrecht und haben die Haltung: Egal, was da draussen passiert. Es hat nichts mit mir zu tun. Ich muss mich nicht beklagen, dass es so ist, denn ich kann es nicht ändern, es ist so wie es ist. Und wenn ich es an mir abperlen lasse – indem ich die Wirklichkeit als eine mögliche Wirklichkeit interpretiere, dann komme ich weiter. Ich verliere keine Zeit und Energie im Beklagen (warum ist es so, und nicht anders), und im sich beschweren – ist ja auch blöd, sich zu beschweren, um so mit der Schweren Last nicht mehr weiterzukommen. Sondern ich gehe mit freiem Geist an die Lösung – oder ziehe weiter.

Das Leben als Training – die Situation als Lehrer

Wenn wir das Leben als Training anschauen, dann können wir nicht verlieren. Man soll nicht gegen das Leben sein – das Leben ist kein Gegner. Wir sind auf der Erde, und keiner kommt hier lebend raus. Wir haben viele Situationen und es kommt darauf an, was wir für eine Haltung dazu haben und wie wir entscheiden weiterzugehen. Das zählt! Je schwieriger die Situation, desto mehr kann man daraus lernen. Und man wird immer besser, wenn man darauf vertraut, dass man es meistern kann, und nicht so streng mit sich selber ist. Selbstreflexion hilft beim Weiterkommen.

Fazit

Ich kenne viele Menschen, die sehr streng mit sich selber sind und sich nicht verzeihen. Fehler machen gehört zum Lernprozess – wir sollten es einfach immer besser versuchen zu machen! Wenn man – auch physisch – Haltung annimmt, dann kann einem nichts passieren, denn man bleibt auch Mental im „Driving-Seat“ des eigenen Lebens. Und egal, was da draussen passiert: Es zählt nur das, was wir daraus machen!

Dankbarkeit

Vielleicht ein weiterer Schlüssel zum Glück?

Auf dem Weg zum Glück ist mir aufgefallen, dass Dankbarkeit ein wichtiges Element darstellt. Der erste Gedanken am Morgen wenn Du aufwachst, sollte Dankbarkeit sein. Warum? Ca. 150‘000 Menschen auf der Welt werden den Anbruch des Tages nicht erleben – und somit gehörst Du zu den Glücklichen, die es überhaupt in den Tag schaffen. Zur Erinnerung: Nur lebende Menschen können die Welt verändern und anpacken, tote leider nicht. Und währenddem du in den Tag kommst, fragst Du Dich, für was Du sonst noch so dankbar sein könntest. Ein Dach über dem Kopf? Glück gehabt. Fliessendes, sauberes Wasser? Du gehörst zu einer Minderheit. Dir ist nicht kalt? Sei froh darüber. Bei all diesen Aspekten hilft Dir die Dankbarkeit, den ganzen Rest der Dich beschäftigt, einzuordnen und kann Dir helfen, dem Glück ein Stück näher zu kommen.

Es ist alles relativ – nichts ist absolut…

Der Mensch orientiert sich immer relativ, das heisst, er misst sich selber immer im Vergleich zu anderen, am meisten mit diesen Menschen, die in seiner Nähe sind. So ist der grösste Feind des Guten das Bessere, und das eigene Auto ist nichts mehr wert, wenn der Nachbar mit einem grösseren und luxuriöseren Schlitten in der Garageneinfahrt auftaucht. Der relative Vergleich treibt den Menschen ins Hamsterrad, denn er will einfach mehr haben, als seine Konkurrenten. Das Ergebnis? Burn-Out, Unzufriedenheit und viel seelischer und körperlicher Schmerz. Die Dankbarkeit kann uns helfen, einen Anker zu setzen und alles zu relativieren. Wie Paracelsus einmal sagte: Gesunde haben viele Wünsche, Kranke nur einen. Dankbare haben einen Schutzschild gegen Manipulation, denn sie können nicht einfach mit „mehr“ geködert werden.

Dankbarkeit als Akzelerator

Wenn wir dankbar sind über das, was wir haben, können wir auch dankbar sein, für das was wir sind. Der Vergleich mit anderen führt uns auf eine falsche Fährte. Es gibt schon genug andere – wir müssen uns selbst sein. Oder besser gesagt: Wir müssen uns selbst werden! Anstatt uns mit den anderen zu messen und grimmig versuchen, selber eine billige Kopie von ihnen zu werden, sollten wir versuchen, eine bessere Version von uns selber zu werden. Die Dankbarkeit kann uns in eine höhere Gestimmtheit bringen und so helfen, alles andere nicht mehr so eng zu sehen und für eine Überwindung zu sorgen. Somit ist der uralte Wert der Dankbarkeit ein „Boost“ um in eine gute Phase zu kommen, ruhig zu werden um dann richtig Gas geben zu können.

Die Antwort der Dankbarkeit – oder wie man in den Wald ruft…

Wenn ich als Mensch dankbar bin für das, was ich habe was ich bin, dann habe ich eine ganz andere Einstellung zum Leben. Gebe ich meine Dankbarkeit den Menschen weiter, so kann ich goldene Brücken bauen und die Menschen für mich gewinnen. Menschen rangieren äusserst positiv auf Dankbarkeit und spornt sie zu einer guten Zusammenarbeit an. Der Mensch ist ein Herdentier und so ist die Antwort der Welt auf meine Dankbarkeit – auch Dankbarkeit, und kann so wahrlich Berge versetzen. Natürlich wird nicht jede Dankbarkeit von den Menschen mit ebenso grosser Dankbarkeit beantwortet – aber zu ca. 80%, und das ist doch schon sehr gut, oder?

Dankbarkeit führt zu Gelassenheit

Wenn ich im Status der Dankbarkeit bin, dann kann mir eigentlich nichts passieren. Man ändert den Blickwinkel und schon wird alles besser. Sie werden grundlos zusammengestaucht? Seien sie dankbar für den guten Lehrer für Gelassenheit. Sie werden bestohlen? Wenn man ihnen mental nichts stehlen kann, da sie dankbar sind für das was Sie haben, so werden Sie auch mit dem klarkommen. Die Gelassenheit führt Sie in eine höhere Gestimmtheit, bei der Sie das Gefühl der Unbesiegbarkeit entwickeln. Warum? Wenn Sie etwas angehen, so reüssieren Sie, oder Sie lernen etwas dabei, und das ist doch eine gute Sache!

Dankbarkeit als aktive Handlung der Achtsamkeit

Viele Menschen erleben ihr Leben wie einen Film, in dem Sie selber nur Statist sind. Das führt dazu, dass man eher zu eine Opferhaltung neigt. Wenn man achtsam und dankbar ist, dann wird man zum Haupt-Darsteller im Leben und kann aktiv daran teilnehmen. Nicht das man alles kontrollieren könnte – nein, denn man ist nur Herr über seine eigenen Gedanken, Gefühle, seine Aussagen und Handlungen. Aber man kann Dankbarkeit als Brückenbau einsetzen, wenn alles andere versagt. Versuchen Sie es!

Das Leben lieben

Ja sagen

Viele Menschen versuchen immer positiv zu denken und lassen das Negative weg. Das ist grundsätzlich nichts schlechtes, man neigt aber dazu, viel auszublenden und so wichtige Entscheidungen auf einer falschen oder unvollständigen Basis zu treffen. So wird auch das Resultat wieder falsch oder unbefriedigend sein. Ich rate eher den stoischen Weg zu gehen und „ja“ zum Leben zu sagen. Wer das tut, dem kann wahrlich nichts passieren, denn egal was passiert es gehört einfach dazu! Viel Energie geht verloren mit Sätzen wie „es kann doch nicht sein…“ und dergleichen. Immer wenn ich „nein“ sage, dann ist es so, wie wenn ich gegen eine Wand laufe. Es tut mir weh, ich verbrauche Energie und komme nicht weiter. Und dazu bin ich noch verstimmt.

Die Haltung eines Samurai

Als langjähriger Judoka habe ich viel gelernt. Am Anfang der Karriere lernt man viele Techniken, dann erlernt man deren Anwendung und arbeitet an er Kombination und an der Kraft. Doch irgendwann gelangt man an einen Punkt, an dem man mit den alten Rezepten nicht mehr weiterkommt. Es ist wie die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling. Plötzlich merkt man, dass es noch eine hintergründige Welt gibt. Und man merkt, dass man an der Haltung und Einstellung arbeiten muss, um weiterzukommen. Und so entwickelt man die innere Haltung eines Samurai, den nichts trüben kann. Der einfach still dasitzt und alles erträgt, bis er selbst zuschlägt. Und genau das empfehle ich: Sich nicht fragen, warum etwas so ist (anders, als man es will), sondern es annehmen, so wie es ist und dann damit umgehen.

Das Leben ist neutral

Das leben hat an sich keine Bewertung. Es ist weder positiv noch negativ, man kann es lieben oder hassen. Das Leben ist das, was man daraus macht! Wenn ich gegen alles bin, so werde ich immer nur schlechtes erleben und mich ärgern. Wenn ich aber „ja“ sage, dann kann mir nichts passieren, denn es ist ja alles dabei. Ich sage ja zum vollen Bus, zur Warteschlange, zum Mann, der mit rot über die Ampel läuft. Zu allem. Nicht dass ich es gut finden muss, aber ich sage ja. Und so bin ich mitten in der stoischen Lehre: Was ich nicht kontrollieren kann, und das sind nur meine Gedanken, Handlungen und Gefühle, das geht mich nichts an und das betrübt mich nicht.

Fazit: Das Leben lieben

Wenn ich also auf dieser Erde bin, den Kampf gegen Millionen von Konkurrenten gewonnen habe, dann kann ich nur empfehlen, das Leben zu lieben und es so anzunehmen wie es ist. Man kann sich ärgern – aber man soll die Phase möglichst kurz halten und die innere Stimme zum Schweigen bringen, indem wir sagen: Es ist so wie es ist! Packen wir’s an!

Aggregieren und Zusammenfassen

Warum wir zusammenfassen…

Wenn wir Menschen uns ein Bild über eine Sache machen wollen, dann tendieren wir dazu, die einzelnen Puzzle-Stücke zusammenzufassen und zu aggregieren. Und das ist auch gut so, denn unser Verstand kann nicht unendlich viele einzelne Tatsachen im Kopf behalten, denn wir neigen dazu, „vor lauten Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen“. Und darum fassen wir zusammen und aggregieren die Daten.

…doch dabei entsteht ein Problem

Was für Finanz-Daten, Wassermengen und Wetter-Daten stimmen mag, macht jedoch in der Psychologie keinen Sinn und macht das Zusammenleben eher schwer. Währenddem wir in der Erfolgsrechnung die Einnahmen der Ausgaben gegenüberstellen können, und im besten Fall einen Gewinn ausweisen können, sollten wir das für unser Zusammenleben nicht tun. Wir können nicht drei alten blinden Menschen über die Strasse helfen, und dann zu zwei von unseren Mitmenschen gemein sein, und dann damit argumentieren, dass wir ja trotzdem einen „Gewinn“ generiert haben. Oder anders gesagt: Man kann sich keinen Ablasshandel betreiben, indem wir zwar Gutes tun, aber nur um das Recht zu erkaufen, Schlechtes zu tun.

Ist die Aggregation überhaupt sinnvoll?

Wenn es einen alten Mann mit langem Bart am Eingangstor des Himmels gibt, mit dem man das Assesment-Gespräch „Himmel oder Hölle“ führt, dann wird dieser eine lange Liste vor sich haben und wird sich jede Situation unseres Lebens vornehmen, wo wir eine Wahl gehabt haben, wie wir sie lösen. Und wir werden uns dann verteidigen können. Milde gibt es, wenn man im Affekt oder aus Unwissen gewisse Situationen schlecht gelöst hat. Schwerer wird wiegen, wenn wir sie aus niederträchtigen Motiven oder dem Gefühl „ich hab ja auch ein paar Joker zugute“ gehandelt haben.

Was ist die Lösung?

Einerseits dürfen wir nicht zu streng mit uns selber sein. Solange wir über unsere Fehlerhaftigkeit wissen und trotzdem versuchen, jeden Tag eine bessere Version zu werden, ist das eine gesunde Basis. Und doch sollten wir versuchen, in jeder Situation das Beste zu tun. Indem wir auf unseren Bauch vertrauen und auf Menschen setzen. Das Glücksgefühl beginnt damit, dass wir in uns selber investieren und die Menschen unterstützen, einen Schritt weiterzukommen. Wir lassen Milde gegen uns selber, aber auch gegen unsere Mitmenschen walten. Wir akzeptieren andere Meinungen und nicht nur die eigenen. Wir hören zu. Aus Neugier – nicht um selber etwas darauf antworten zu können.

Was wichtig ist

Natürlich besteht das Leben aus einer Aneinanderreihung von vielen Momenten. Die wichtigsten Sachen im Leben sind nicht sofort messbar. Unsere Werte sind eher wie ein Kompass, es ist wie ein Leitstern am Horizont, der uns langfristig den richtigen Weg weist. Bauen wir an Beziehungen, dann sind das unendlich viele kleine, an sich nicht messbare Einheiten, die zu einem Resultat führen. Es ist wie mit dem Zähneputzen: Wenn man es einmal vergisst, ist das kein Problem. Nach einem Jahr ohne Zähneputzen jedoch wird das Resultat katastrophal sein. Wir sollten also versuchen, jeden Tag eine bessere Version von uns selber zu werden, locker bleiben und doch in jeder Situation das Richtige zu tun und für die Menschen – und für die Menschheit zu entscheiden. So entsteht ein Werk das vorbildlich ist und man wir dabei sogar glücklich!

Über das Meer

Als ich letzthin in der Ägäis gesegelt bin, ist mir ein grosse Parallele aufgefallen. Zum Ertrinken braucht es einen Suppenlöffel Wasser und wir sind umgeben von vielen Kubikkilometern Wasser. Und auch das Boot schwimmt, weil es innen trocken ist – egal wie viel Wasser es umgibt. Beim Schlechten ist es wie beim Wasser: Solange ich kein Wasser, nichts schlechtes, in mich und mein Schiff hineinlasse, lebe ich weiter und das Schiff schwimmt. Egal, wie gross die Menge ist, die uns umgibt!

Glück und Spass

Der feine Unterschied

Viele Menschen sind täglich auf der Suche nach Spass und Zerstreuung. Eigentlich suchen sie – innerlich etwas leer und in einem Vakuum – das Glück. Sie glauben, sie finden es im Spass und in der Unterhaltung. Aber weit gefehlt. Spass ist das, was wir kurzfristig als Freude empfinden. Es hat jedoch nur sehr wenig mit dem Glück als grundsätzliche innere Zufriedenheit zu tun.

Glück

Glück ist das Resultat, wenn man die Dinge so nimmt, wie sie sind. Wer also ein glückliches Leben führt, wer „ja“ zum Leben sagt, der nimmt das Leben, und all das was passiert, so, wie es ist. Im Bewusstsein, dass man fast nichts kontrollieren kann, ausser die eigenen Gedanken, Gefühle und Einstellungen, müssen wir uns keine Sorgen und keinen Groll machen. Stau auf der Autobahn, ein ruppiger Mitmensch, regnerisches Wetter: Das alles hat alles keinen Einfluss auf uns, denn es hat nichts mit uns zu tun. Sondern mit dem, was wir dem Ganzen beimessen! Glück ist also kein Ziel, denn man kann dort nie ankommen. Glück ist ein (Lebens-)Weg und eine Einstellungssache!

Monotonie

Wir leben in einer Welt, wo Multi-Tasking-Fähigkeit gefragt ist. Wir „zerschneiden“ unseren Tag und unendlich viele kleine Einheiten und haben doch das Gefühl, damit nichts zu erreichen. Schnell noch die Mails checken, kurz die News durchschauen, ein Blick auf die sozialen Medien – so ist doch die Busfahrt „effizient“ ausgenützt worden. Mitnichten. Die Menschen gehen dabei langfristig kaputt, denn wir bekommen das Gefühl einer ständigen Anspannung und sind nicht mehr fähig, abzuschalten.Wenn man mit dem Segelschiff aufs weite Meer hinaus fährt, dann kann man sich entspannen und „werden“. Die Monotonie – rundherum nur Wasser und man kann nichts anderes tun – hilft einem sehr, sich um sein Innenleben zu kümmern. Es hilft einem, zu erkennen. Wie wenn man auf einen ruhigen See schaut und je nach Blickwinkel entweder den Himmel, oder aber den Seeboden sieht. Wenn man Qi-Gong macht, und sich stundenlang nur ein paar (scheinbar) einfachen und simplen Übungen widmet, dann entsteht ein „Flow“ und wir können die Batterien durch die Ruhe und Monotonie betanken. Oder man lauscht den byzantinischen Gesängen in der orthodoxen Kirche. Auch hier kommt man – zur Untätigkeit „gezwungen“ – in ein Hochgefühl, wenn man sich hinein gibt und sich tragen lässt.

Über den Rummel in der Adventszeit

Die Adventszeit ist für viele geprägt von Stress und Hektik. Das muss nicht sein. In der Natur hat der Winter die Funktion, die Energie in die Wurzeln zurückkehren zu lassen, das Überflüssige absterben zu lassen um dann im Frühling von innen nach aussen sich wieder erneuern und wachsen zu können. Wir brauchen also viel Schlaf und Ruhe, um die Kräfte wieder sammeln zu können und unser Inneres zu stärken. Der Rummel jedoch, der sich sehr um Äusserlichkeiten dreht, treibt uns in die falsche Richtung. Wenn wir lernen abzuschalten, und uns um uns selber zu kümmern, dann ist ein grosser Schritt getan.

Glück: Der Weg ist das Ziel!

Um den Glückszustand zu erreichen, können wir in einem ersten Schritt die Augen schliessen, atmen, und froh sein, dass wir heute überhaupt am Leben sind. Danach fragen wir uns, wofür wir dankbar sind. In einem dritten Schritt sagen wir innerlich „ja“ zum Leben und nehmen den Tag so, wie er kommt. Wir versuchen, uns auf weniges zu konzentrieren, gönnen uns eine Extra-Portion Schlaf, unserem Geist Entspannung durch Single-Tasking, und sind einfach glücklich. Beim Glück gilt: Der Weg ist das Ziel!

Das Geheimnis meines Erfolgs

Definition des Erfolgs

In der Kindheit haben wir vielleicht etwas erfahren, das von grösstem Glück ist: Die bedingungslose Liebe. Wir wurden geliebt, weil wir sind. Später hat das geändert. Unsere Lehrer liebten uns nur noch, wenn wir „lieferten“. Schlechte Noten versagten uns die Liebe der Lehrer – und in der heutigen Zeit der Leistungsgesellschaft auch zunehmend die Liebe der Eltern. „Leiste was – so kannste was – so wirste was.“ Erfolg ist also geprägt von Zielen, die von Zeit, Ort und Umfang definiert sind, und abgearbeitet werden müssen. Erfolgreich sind wir, wenn wir diese Meilensteine erreichen. Und da das wichtigste Gefühl des Menschen das Zusammengehörigkeitsgefühl ist, ist Liebesentzug auch die grösste Strafe. Wurde man früher von der Sippe ausgestossen, war man zum Tod verurteilt.

Definition des Glücks und die Suche nach diesem

Wenn ich die Menschen nach der Suche zu ihrem Glück beobachte, dann ähnelt es oft der Suche nach dem berühmten Osternest, das versteckt wurde. Man sucht hier, da, und dort. Aber man findet immer etwas anderes als „Glück“. Und man ist nie sicher, ob es nicht hinter der Ecke lauert – also sucht man weiter. Und so sehe ich bei vielen Menschen den NETFLIX-Effekt: Man weiss nicht, was man schauen will, und dann schaut man sich dreissig Vorschauen von verschiedenen Filmen an. Am Schluss hat man eine Stunde gesucht und stellt frustriert ab, da man die Lust verloren hat. Man läuft mental durch einem langen Gang mit verschiedenen Türen, geht aber durch keine hindurch, weil man eine andere verpassen könnte. Garantiert eine Anleitung zum unglücklich werden! Ich denke: Sucher suchen, Finder finden! Die Asiaten sagen: „there is no way to happiness because happiness is the way“! Die Griechischen Stoiker sagen: Die Welt da draussen hat nichts mit Dir zu tun, weil Du sie nicht kontrollieren kannst. Warum sich also Sorgen machen? Ist etwa Glück nicht etwas was man durch Arbeit erreichen kann – sondern vielleicht schon in uns drin? Nicht alles was messbar ist, zählt. Nicht alles was zählt, ist messbar. Das Glück ist in uns drin, wir müssen es nur akzeptieren. Wie gut ist das Glücks-Gefühl eines Vaters, zwei Kinderärmchen um den eigenen Hals zu spüren, wenn man es mit dem 6*-Hotel in Dubai vergleicht? Und warum zur Hölle eifern alle diesem Hotel nach, wenn doch andere Sachen im Leben zählen. Wollen wir nach der Pension mit klapprigem Gebiss irgendwo bei einem Apéro stehen und uns selber sagen: „jetzt haben wir’s geschafft“?

Erfolg 2.0

Wenn unser Leben in Kapitel eingeteilt wird, die wir benennen können, wie lautet denn der Titel des Buchs unseres Lebens? Was ist der Leit-Stern in unserem Leben? Was macht uns glücklich? Ich kenne mehrere Geschichten, wo die Menschen einen Gipfel erreicht haben und es ist wie wenn man am Nordpol angekommen ist – wohin man überall geht, es geht nach Süden. Als Michael Schumacher seinen 41. Titel gewonnen hatte, und er an der Pressekonferenz in Monza vom Reporter gefragt wurde, was er sich weiter erhoffe, ist er in Heulkrämpfen ausgebrochen. Er wusste: Er hatte alles erreicht, jetzt konnte es nur abwärts gehen. Wissen erfolgreiche Menschen (noch), wie eine Blume riecht? Kennen sie das Gefühl des Wassers, das sich um den Kiel bewegt? Kennen Sie den Weg des Vertrauens den Wert einer Freundschaft? Macht sucht, wer sich machtlos fühlt. Wem man die Schuld gibt, gibt man die Macht.

Lernen und Lehren

Michelangelo hatte einen sehr guten Weg, wie er mit seiner Kunst umging. Er glaubte, dass die schöne Figur, die er herstellen wollte, bereits im Marmorblock vorhanden war, den er vor sich hatte. Es geht also nur darum, die überflüssigen Teile wegzuschlagen – Schritt für Schritt, Schlag für Schlag. Würden wir auch unsere Kinder und unsere Mitmenschen so behandeln: Beide haben unsere Liebe verdient. Man macht etwas nur aus Liebe oder aus Angst. Ich bevorzuge Liebe. Und wenn wir lehren, dann sollten wir versuchen, die überflüssigen Teile zu entfernen und dabei schönes entstehen zu lassen. Noch präziser: Wir sollten die Kinder und Menschen liebevoll ermutigen, das selber zu tun, denn wir haben kein Recht dazu, die Integrität unsere Mitmenschen zu gefährden. Die Liebe ist Bedingungslos. Erziehung, so denkt man, erhält in der Kombination folgende Worte: Du musst, du sollst, es ist verboten, Ernst des Lebens. Ich bevorzuge Sätze wie: „Komm, wir versuchen das“, oder „wie wäre es wenn“, oder „wie würdest Du es lösen“? Ich versuche, die Menschen den Meissel und den Hammer selber ansetzen zu lassen und akzeptiere, dass sie selber entscheiden, was sie aus sich machen wollen!

Glücksdefinition

Glückliche Menschen nehmen das Leben so an, wie es ist. Punkt. Nicht mehr! Unglückliche Menschen beklagen immer das Delta zwischen dem was ist mit dem was sein müsste. Garantierte Anleitung zum unglücklich werden! Wenn wir also lernen, das Leben und alle Situationen so anzunehmen, wie sie sind, dann werden wir tiefen-entspannt und nichts mehr kann uns aus der Ruhe bringen. Wenn wir jeden Tag wieder versuchen, mit dem Hammer und Meissel an uns zu arbeiten, um jeden Tag eine bessere Version von sich selber zu werden, dann steht dem Glück nichts mehr im Wege. Wir lernen, im Moment zu leben, und was wir tun, mit Achtsamkeit zu tun. Wir sagen ja zum Leben, das immer anders verläuft, als wir uns vorstellen. Doch wenn sich eine Türe schliesst, öffnen sich zwei neue. Und dahinter verbirgt sich vielleicht noch schöneres!

Unsere Kinder als Zen-Meister

Kinder können im Moment leben und unendlich glücklich – oder unglücklich – sein. Sie sind eine Art Zen-Meister, denn sie können ohne Sorgen um das Morgen im Moment leben. Ich hatte letzten Sommer eine grosse Erkenntnis, als ich mit meinem Sohn einen Nachmittag lang eine Sandburg an einem Strand in Kreta baute. Wir fingen also an, bauten sie immer grösser und stabiler, sie trotzte den Fluten und Wellen. Am Abend gingen wir zurück ins Hotel und was machte der Junge? Er zerstörte die Burg! Ich traute meinen Augen nicht – das darf nicht wahr sein. Doch was sollte er tun? Die Burg verwalten? Warum hatten wir die Burg gebaut? Darum! Die beste Antwort auf der Welt. Wir hatten sie gebaut, weil wir Lust dazu hatten. Und um die Beziehung zu stärken. Es ging ums gemeinsame Bauen – nicht ums Produkt. Kinder als Zen-Meister: Der Weg ist das Ziel!

Das Geheimnis meines Erfolgs

Ich möchte in meinem Leben nichts erreichen, was allgemein mit Erfolg – dem am positivsten konnotierten Wort der Deutschen Sprache – im herkömmlichen Sinn zu tun hat. Ich möchte mit Lockerheit durchs Leben gehen, viele Sachen versuchen und Dinge tun, die mir und vor allem meinen Mitmenschen Freude machen. Ich betrachte das Leben als Buffet, wo ich mir genau das holen kann, was mir Freude macht. Ich lebe im Moment und mache das Beste aus dem, was das Leben für mich bereit hält. Ärgere mich nicht oder nur kurz. Akzeptiere alles – wer ja zum Leben sagt, sagt ja zu allem, was passiert. Man muss keine Freude an Staus oder unfreundlichen Menschen haben. Man muss nur lernen, das als Teil des Lebens zu akzeptieren und vielleicht bessere Wege zu suchen. Es geht nicht um YOLO – es geht um den optimalen Einsatz der Kräfte und dem (miteinander) gedeihen – den beiden Grundprinzipien des Judo. Und da haben Wut, Neid, Missgunst und alle anderen Kollegen sich nur als Energie-Räuber erwiesen. Wenn man Meister in einer Disziplin ist, dann sucht man sich eine neue Disziplin. Fehler sind ein Teil des Lernprozesses.

Und so gehe ich erfolgreich und mit erhobenem Haupt und wehender Fahne, gleichzeitig voller Neugier, Dankbarkeit und Freude durchs Leben – immer wissend um meine Sterblichkeit und mit dem Bewsusstsein, dass ich zwar die Welt nicht verbessern kann – aber die paar Quadratmeter um sich herum schon!

Als Segler habe ich das Gefühl, ich sei angekommen, wenn ich beim Schiff bin. Denn die Reise mit allen Abenteuern ergeben die Freude und das Glück. Ginge es nur um Zielerreichung, dann würde ich das Schiff im Hafen lassen. Dann nämlich wäre das Ziel schon risikolos und effizient erreicht. Versuchen wir es mit Liebe, Ruhe und Gelassenheit. Dann werden wir unbesiegbar.

Die drei Säulen der Energie

Wir Menschen werden mit von Geburt her mit einer Menge Energie versorgt, die wir zeitlebens kultivieren und pflegen sollten. So wir unser Haus, indem wir leben in Schuss halten müssen, so müsste man es auch mit dem Körper tun. Doch oft sehe ich, wie viele Leute mit ihrem Körper so umgehen, als hätten sie einen zweiten. Das ist bemerkenswert, denn haben sie einen zweiten? Nein. Können sie sich einen neuen kaufen? Nein. Umso bemerkenswerter, dass sie trotzdem auf Raubbau und Zerstörung gehen.

Die erste Säule: Schlafen

Schlafen ist in der heutigen Zeit zu einem notwendigen Übel verkommen. Erfolgreiche Manager schlafen 4 Stunden am Tag, sagt man. Dann gehen sie ins Fitness, arbeiten den Tag lang, machen wieder Sport und gehen abends spät schlafen. Wer also mehr Schlaf braucht, dem wird unterstellt, Zeit zu verschwenden oder faul zu sein. Meine Erfahrung zeigt, dass ich die schlechtesten Entscheidungen dann getroffen habe, wenn ich müde war. Der Körper, der viel leisten muss braucht seinen Schlaf, um sich zu regenerieren. Lieber etwas länger schlafen, und dann gelassener, glücklicher und gesünder zu sein, oder? Oder lieber wenig schlafen und dann effizienter ins Grab fahren? Das wäre schade.

Die zweite Säule: Ernährung

Wir essen zu viel, zu schnell, zu fett und zu süss. Das weiss jedes Kind. Doch wie geht „gut essen“ wirklich? Es geht um die richtige Einstellung. Viele essen, um ihren Hunger zu „killen“. Der Hunger muss weg! Und das geht am effizientesten mit Fast Food. Doch ist das Essen nicht eher ein Moment, wo ich meinem Körper etwas Gutes tun kann? Die Chinesen meinen, dass ein guter Koch den Arzt ersetzen kann. Stimmt. Würden wir auf unseren Körper hören, was er wirklich braucht und dann langsam, behutsam, aufmerksam, achtsam und genussvoll essen, dann hätten wir viel erreicht. Essen soll eine Quelle der Energie sein – auch für den Geist! Herunterschlingen oder geniessen? The choice is yours! Meine Erfahrung zeigt: Essen hängt fest mit Schlaf zusammen. Mein müder Körper generiert Hunger, um gegen die Müdigkeit anzuessen. Im Umkehrschluss heisst das, mehr Schlaf = weniger essen. Erstens habe ich weniger Zeit zum Essen (da ich schlafe) und zweitens habe ich deutlich weniger verlangen. Auch die Psyche spielt eine bedeutende Rolle: wir versuchen Traurigkeit, Wut, Neid und alle niederen Gefühle mit Essen erträglicher zu machen. Dass das nicht aufgehen kann, leuchtet ein.

Die dritte Säule: Bewegung

Als wichtigen Teil sehe ich auch das Thema Bewegung. Es geht nicht darum, Olympiarekorde zu machen. Sondern darum, sich genug zu Bewegen um dem Körper etwas Ansporn zu geben, den Geist zu lüften, die Pumpe zu brauchen und ganz in Kontakt mit seinem Körper zu kommen. Als Judoka schätze ich genau diese Aspekte, respektvoll mit Menschen zu arbeiten und sich aus Freude zu bewegen. Die Bewegung hängt wieder mit der Ernährung und dem Schlaf zusammen.

Die Aufwärts- und Abwärtsspirale

Würde man die Abwärtsspirale anschauen, so könnte sie so aussehen. Ich habe zu wenig geschlafen und bin müde. Darum muss ich ordentlich frühstücken und mit Stress immer wieder etwas essen. Dann springe ich ins Fitnessstudio um ein paar Kilo meines hässlichen Körpers zu verlieren. Ich trainiere bis zum Umfallen, schoppe mit noch etwas Fast Food hinein, gehe spät schlafen und treffe am Morgen im Spiegel jemanden an, den ich ablehne. Furchtbar! Besser könnte sein: ich stehe am Morgen frisch auf, tue mir mit Frühstück etwas Gutes, gehe im Flow auf, tue mir am Mittag mit warmem Essen etwas Gutes, arbeite, gehe dann heim, esse wieder etwas Gutes und gehe dann ins (Judo-)Training. Danach bin ich auch müde genug und schlafe ein. Am Morgen treffe ich die Person im Spiegel an, die ich bin und mit der ich weiterarbeiten werde.

Warum es so schwer ist – pan metron ariston

Wie die drei Säulen funktionieren und wie sie zusammenhängen scheint klar und logisch zu sein. Warum aber macht es uns so grosse Mühe? Ich führe gerne zwei Gründe ein: das eine ist, dass wir uns nur einer Säule widmen und die beiden anderen zu Lasten der einen vernachlässigen. Das kann nicht funktionieren. Einfach im Fitnesstraining Fett verbrennen, und dann den Körper durch Schlafentzug und ungesundes Essen zu Strafen kann nicht gut kommen. Wir lesen einen Artikel über ein neues Training – wow – und vergessen alles andere. Das Scheitern ist programmiert. Der zweite Grund ist der Überfluss an allem. Wir haben so viele Möglichkeiten und Optionen, dass wir zu viel nehmen und dann z.B. beim Schlaf geizen; das Internet schläft nie. Das ist unklug. Man muss sorgfältiger wählen und lieber verzichten, damit es gut kommt. Doch wie kann man an den Säulen arbeiten? Am besten eins nach dem anderen, dafür mit kleinen Schritten in die richtige Richtung. Zum Beispiel für genug Schlaf sorgen, indem man Aktivitäten einschränkt und sich früh schlafen legt. Dann etwas langsamer essen und eine Station früher aussteigen und heimlaufen. Man braucht nicht Ziele sondern einen Leitstern und einen guten Kompass. Und nicht vergessen: es muss Spass machen! Und so können sie das aus uns machen, was wir wollen.

Wenn wir krank sind

Wenn unser Körper mal nicht mag, dann sollten wir besonders behutsam mit ihm umgehen und ihm genau das geben, was er braucht. Nicht murksen – sondern viel Zeit geben und spüren, was er braucht.

Just do it!

Das wichtigste ist, dass man sich selber reflektiert und irgendwo anfängt. Mens sana in corpore sano – und umgekehrt. Packen wir‘s an!

Sich effizient ärgern

„An Wut festhalten ist wie Gift trinken und darauf warten, dass der andere stirbt“ meinte einst Buddha. Und er bringt alle Gedanken auf den einen wichtigen Punkt: Der Ärger hat nichts mit dem anderen zu tun, denn den Ärger empfinde ich selber und er schädigt vor allem mich. Darum tun wir gut dran, wenn wir diesen Gedankengang begreifen und aufhören, uns selber zu vergiften.

Die Welt und ich – ich und die Welt

Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Weltbildern – hier eine Sicht inspiriert von Vera Birkenbiehl: Die eine, ganz rationale Sicht ist die Sicht des Betrachters wie in einem Museum: Vor mir die Welt, abgetrennt durch eine Glasscheibe. Ich bin Betrachter eben dieser, habe aber grundsätzlich nichts mit ihr zu tun. Dann gibt es die Möglichkeit sich vorzustellen, dass wir auf der Welt sind und mit allen und allem irgendwie verbunden sind. Wir sind eingebunden in ein System mit verschiedenen Interdependenzen. Wir können nicht entfliehen, denn das Mensch-sein ist geprägt von der Verbindung und Einbettung. Noch weiter geht die Vorstellung, dass die Welt unser Spiegel ist und dass ich genau das sehe, was ich will bzw. verdient habe zu sehen. Und wenn wir uns auf diesen Gedanken einlassen, dann müssen wir unsere Wahrnehmung verändern.

Wie man in den Wald ruft…

…so kommt es auch zurück. Viele Menschen die sich wiederholt und heftig ärgern argumentieren mit diesem Spruch. Sie wären wirklich entspannt, wenn nur nicht alle Anderen sie ärgern würden und sie sich folglich wehren müssten. Man muss also in gewisser Weise zurückschlagen, um nicht als Opfer elend zerquetscht zu werden. Doch diese Erklärung greift zu kurz, denn das Weltbild ist hier so, dass man der Frosch am Teich ist, immer quaken muss um sich Luft zu verschaffen und man letztlich nichts ändern kann. Man muss sich eben wehren! Leute mit dem Selbstbild eines Adlers lassen sich nicht ärgern – sie ändern die Flughöhe oder wechseln das Tal. Punkt. Wenn man also den Wald-Spruch zitiert sollte man sich fragen, ob die Welt denn nicht einfach zurückruft, wie man selber hineinruft!

Ordnung vs. Chaos

Viele Menschen suchen die Stabilität und die Ordnung. Ein Zustand, bei dem alles nach festen, klar definierten, voraussehbaren Regeln funktioniert und wo es keine Überraschungen gibt. Den perfekten Zustand dessen nennt man Tod – hier kann einem wirklich nichts mehr geschehen, weil man die körperliche Endhaltestelle erreicht hat. Chaos dagegen ist Leben. Die griechischen Naturphilosophen betrachteten den Wald mit seinen Wirren und seiner Unordnung als die Perfektion! Man stelle sich vor: Die Bäume wachsen wild, Blätter fallen auf den Boden, die Tiere streifen umher – für Ordnungsfanatiker eine Horror-Vorstellung – und dennoch die Basis für unser Leben. Als Randbemerkung muss man verstehen, dass im Griechischen die Wörter Chaos, Krise („Bewertung“) und Katastrophe („gänzliche Wendung“) nicht oder nur teilweise negativ bewertet sind. Wenn wir also Chaos als Leben und Ordnung als Tod definieren, dann sollten wir uns damit abfinden, dass Überraschungen – ob positive oder negative – genau dazugehören und wir lernen sollten, uns nicht oder nur wenig darüber zu ärgern.

Die Welt als mein Spiegel

Wenn ich mich also wieder mal aufrege, dann könnte ich mich auch fragen, warum das so ist! In der Regel reagiere Aggressionen übermässig, wenn ich selber aggressiv bin. Ich rege mich über autoritäre Personen auf, wenn ich selber autoritär bin. Ich rege mich über Drängler auf, wenn ich selber drängle. In der Regel rege ich mich über Sachen auf, die ich selber entweder nicht kann oder über Menschen, die selber so sind wie meine schlechten Seiten. Und die kann man exogen besser bekämpfen als an sich selber zu arbeiten – so meint man zumindest.

Techniken

Die Überschrift des Artikels ist ja „sich effizienter ärgern“ und nicht „sich nicht mehr ärgern“. Es kann nicht das Ziel sein, aus einem Choleriker nach diesem Blog-Text den neuen Dalai Lama zu machen. Es geht darum, den Ärger in einem ersten Schritt zu halbieren und danach so weit wie möglich zu reduzieren. Das Endziel des Geisteszustands – die bedingungslose Liebe bei immerwährender Harmonie – erreichen eh nur die wenigsten von uns. Und so möchte ich Euch ein paar Techniken zeigen, wie sich ein Ärger möglichst schnell überwinden lassen könnte. Die erste nenne ich „breathe“: Wenn Sie merken, dass Wut in Ihnen aufstiegt, dann beobachten sie diese ohne Bewertung und fangen sie an zu Atmen. Tief und langsam. So gewinnen Sie Zeit und fangen nicht an „Gift“ zu trinken. Wenn dann die Situation entschärft ist und es keinen Grund mehr zum Ausrasten gibt – dann lassen Sie es doch gleich bleiben! Eine weiter mögliche Überlegung könnte sein: Wie würde die Welt aussehen, wenn ich meine (wütige) Reaktion zum Gesetz machen würde? Wenn also jeder auf der Welt jeden Reinschneider ausbremsen würde – wie würde die Welt aussehen? So kann man Überreaktionen vermeiden. Weiter können auch die beiden Relativitätstheorien helfen. Die grosse Relativitätstheorie besagt: Wenn ich morgen sterben würde, wie würde ich auf diese Situation reagieren? Wohl nicht ausrasten, oder? Wem die grosse Relativitätstheorie zu weit geht, kann auch die kleine nehmen: Wenn ich wüsste, dass das Gegenüber nur noch zwei Wochen zu leben hätte. Wie würde ich ihn dann behandeln? Das hilft bestimmt!

Über bedingungslose Liebe und die Bindungsenergie

Prof. Dr. Harald Lesch, Philosphe und Physiker, hat in einem Videobeitrag „Materie besteht nicht aus Materie“ aufgezeigt, dass wenn man einen Kuchen zerteilt, dass die einzelnen Teilstücke leichter sind als die Gesamtheit. Wenn man also Teile zusammenfügt, entsteht etwas grösseres als die Summe der Einzelteile. Geht man dann in die Ebene der Moleküle stellen wir fest, dass Atome zwar teilbar sind. Die Protonen aber selber – und hier sind wir in der Quantenphysik, die anderen Naturgesetzen folgen – bestehen aus zwei Up-Quarks und einem Down-Quark. Wenn man diese drei Quarks wiegen würde, dann machen die nur 0.2% des Gewichts des Neutrons aus. Im Umkehrschluss besteht ein Neutron aus 99.8% aus Bindungsenergie und somit auch wir Menschen, als grosse Ansammlungen von Molekülen. Wir bestehen also vor allem aus Bindungsenergie, was uns eine hervorragende Brücke zum Thema bedingungslose Liebe baut. Physikalisch gesehen würden wir ohne Bindung zerfallen – psychologisch eben auch!

Fazit

Wenn wir uns also das nächste Mal ärgern wollen, dann denken wir doch daran, dass genau die Peripetie – der Wendepunkt – unser Leben ausmacht. Wir sollten uns nur ärgern, wenn wir damit etwas erreichen. Wenn also der Fahrer vom weggeschnappten Parkplatz wieder wegfahren würde. Wenn wir im Stau stehen sollten wir froh sein, dass wir nicht der arme Kerl in der Leitplanke sind, der von der Feuerwehr gerade befreit wird. Wir sollten atmen, glücklich sein dass wir leben, annehmen, akzeptieren, und „ja“ sagen zum Leben. Dann fällt uns alles viel leichter und wir können die Energie dort einsetzen, wo wir Gutes tun können!

Du hast das Glück in Deiner Hand – Handbuch der Bewertung

Handbuch der Bewertung

Dies ist der Titel eines Buches, welches in meiner Gilde als Standardwerk gehandhabt wird. Es soll einen helfen zu entscheiden, ob man ein Projekt durchführen soll, ob sich eine Investition lohnt und wie man die Preise sinnvoll berechnen soll. Für Ökonomen ein perfektes und sinnvolles Werk, um damit gute Entscheidungen zu treffen. Doch wie bewertet man immaterielle Güter? Ich meine damit nicht Patente und Goodwill – sondern die Sachen, die rund um uns herum passieren. Hier gibt es auch ein Handbuch, das ich empfehlen kann, nämlich das Buch vom geglücktes Leben von Epiktet. Als einer der wichtigsten Vordenker der Stoa, einer antiken Griechischen Denkschule und Philosophie, hat er sich genau mit dem Thema Bewertungen auseinandergesetzt und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen.

Wie wir bewerten

Wir haben den Hang dazu, Sachen in unserem Leben extrem kurzfristig und kleinräumig zu bewerten und uns dann genau auf das einzustellen und zu reagieren. Was in der Menschheitsgeschichte früher das Überleben sicherte, wird mehr und mehr zum Treiber, der die Menschen ins Unglück führt. Lassen Sie mich ein Beispiel machen. Wenn wir früher in der Savanne plötzlich von einem Löwen überfallen wurden, musste man die ganze Aufmerksamkeit und den Körper auf den Kampf fokussieren um zu überleben. Die gelassenen Menschen sind damals aus dem Genpool verschwunden. Überlebt haben die, die gekämpft haben – und von diesen stammen wir ab.

Über die Stoa

In der Stoa geht man davon aus, dass man in seinem Leben nur Dinge beeinflussen kann, die den eigenen Charakter betreffen. Das sind beispielsweise die eigenen Gefühle und Emotionen, die Bewertung der Dinge, und das eigene Denken. Was wir nicht kontrollieren können, darüber regen wir uns nicht auf, weil wir es nicht ändern können. Nicht einmal eine Krankheit kann uns aus der Ruhe bringen, denn wir können den Körper auf dieser Ebene nicht beeinflussen. Es folgt alles Naturgesetzen, die zu hoch sind, als dass wir Menschen es verstehen könnten.

Wir haben das Glück in unserer Hand

Wenn wir also aufhören, alles permanent um uns herum zu bewerten, dann werden wir glücklicher, denn wir haben das Glück in der Hand! Wenn wir jedem Hund in unserem Leben Steine nachwerfen nur weil er bellt, dann werden wir nie weiterkommen und verbleiben auf einer niedrigen Bewusstseinsebene. Wir brauchen einen inneren Kompass, der uns auf dem richtigen Weg hält. Wir sollten lernen, das Leben als Ganzes zu bewerten und uns um unsere Mitmenschen zu kümmern – donner c‘est reçevoir. Geld hat Flügel, so wie die Gesundheit. Was bleibt ist ein anständiger, vorbildlicher Charakter, an dem wir jeden Tag weiter arbeiten, so wie Michelangelo seine Figuren aus einem Marmorblock geschlagen hat. Genau hier können wir wichtiges lernen: die Figur im Marmorblock war immer vorhanden, man müsste sie nur zum Vorschein bringen! Es geht darum, neue Fähigkeiten dazuzulernen und überflüssiges wegzulassen. So entsteht ein schöner Charakter: Stabil, seelenruhig, warm und menschlich. Wenn wir glücklich sind, so strahlen wir das auf unsere Mitmenschen aus und nehmen sie ein mit. Und machen uns so selber glücklich – und die Welt zu einem schöneren Ort!

Die Energie folgt Deiner Aufmerksamkeit!

Unser Gehirn aufmerksam steuern

In unserem Schädel, gut geschützt vor der Aussenwelt, liegt unser Gehirn. Es ist eingesperrt und hat nur Verbindungen zu unseren Sinnen und Muskeln und ist ein Super-Computer, der jeden Tag neue Verbindungen (Synapsen) bildet, und die alten wieder auflöst. Die meisten Menschen denken nicht darüber nach, was und und wie sie denken. Nachdenken über das Denken wirkt ja im ersten Moment auch komisch. Und doch liegt hier der Schlüssel zu unserem „Bios“ und „Betriebssystem“. Es geht darum, das Gehirn nicht in einer Art Autopilot laufen zu lassen, sondern es aufmerksam zu steuern, zu beeinflussen und schlussendlich zu formen.

Die logische Kette

Was allgemein vielleicht bekannt ist:
1. Gedanken werden zu Worten
2. Worte werden zu Taten
3. Taten werden zur Gewohnheit
4. Gewohnheit wird zum Charakter

Doch wie kommen die Gedanken zustande? Ist unser Gehirn ein Biotop, wo einfach allerlei Gedanken einfach aufleuchten – unbeeinflussbar, zufällig und unspezifisch?

Unser Betriebssystem

Unser Gehirn wurde geschult und gebildet durch unsere Erfahrungen und Lernvorgänge. Wir haben als Kinder gelernt zu gehen. Wenn wir gehen wollen, dann ist das heute automatisiert. Wieder „denken“ müssen wir, wenn wir eine komplexe Judotechnik erlernen. Genauso ist es mit unserer Gedankenwelt. Wir sehen die Welt abhängig von unseren Erfahrungen und unserem Hormonstadium. Die Philosophie ist – wie eine komplexe Judotechnik – dafür da, dass wir unser Gehirn aus dem Autopilot-Modus nehmen und wir uns fragen: Warum denken wir so wie wir denken und wie können wir das positiv beeinflussen? Denken ist das Betriebssystem unseres Körpers und wenn wir Veränderungen vornehmen wollen, dann ist es logisch und zielführend genau hier anzusetzen!

Unser Betriebssystem steuern

Wenn wir also uns bewusst werden, dass die Erfahrungen ein grosser Teil unseres Lernprozesses und unseres „Ichs“ ausmachen, dann müssen wir dafür besorgt sein, dass wir gute Erfahrungen machen. Erfahrungen sind nicht unbedingt gut oder schlecht, sondern immer eine Frage, wie man sie bewertet. Sieht man ein Hinfallen als einen normalen Teil des Lebens, einen Teil eines Lernprozesses oder als Bestätigung für seine eigene Unfähigkeit? Es liegt in unserer – und nur in unserer – Hand, damit umzugehen und es richtig und gesund zu bewerten. Und ob wir dann weiterkommen, oder in einem Meer von Selbstmitleid versinken.

Aufmerksamkeit steuern

Wenn wir uns also bewusst werden, dass unsere Energie der Aufmerksamkeit folgt, dann gilt es, die Aufmerksamkeit zu steuern. Lesen wir ein Boulevardblatt und sehen uns einen dummen Film an, dann wird auch unser Gehirn diese Art von Werthaltung übernehmen und es zu einem Teil unseres Wertesystems machen. Wenn wir uns aber unseren Mitmenschen zuwenden, etwas schönes Schaffen oder über philosophische Themen nachdenken, dann folgt die Energie dieser Aufmerksamkeit und schlussendlich wird auch unser Charakter davon profitieren. Es ist eine Art Karussell, denn alles hängt mit allem zusammen. Es ist nur für die meisten Menschen ein Rätsel, wo man aufsteigen kann, ohne heruntergeschleudert zu werden.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit

Und so empfehle ich Euch jeden Tag euch darauf zu konzentrieren, mit was Ihr Euch beschäftigten möchtet, damit Eure Energie richtig geleitet und zielgerichtet eingesetzt werden kann. Vielleicht ist es noch wichtiger, sich zu fragen mit was Ihr Euch NICHT beschäftigen möchtet. Denn egal, wie Ihr Euch entscheidet: Die Energie folgt Eurer Aufmerksamkeit. Entscheidet weise und Ihr werdet langfristig profitieren – und dabei glücklich werden!