Macht und Multitasking nicht nur produktiver, sondern auch glücklicher?

Wir leben in einer Welt, wo wir sehr viele Eingangs-Kanäle besitzen. Früher hatte man bei einem Spaziergang nicht viele Optionen: Man konnte nachdenken und in einen „Flow“ kommen, sich auf das Spazieren selber konzentrieren oder auch die Natur bewusst wahrnehmen und geniessen. Heute sind wir immer und überall erreichbar, wir machen vielleicht noch ein paar Selfies und checken unsere Social Accounts, um zu sehen, ob und wie viele Likes wir erhalten haben. Wie meinte Plato so schön: „Wenn wir unsere Werkzeuge nicht beherrschen, dann werden wir Werkzeuge unserer Werkzeuge!“

Multitasking – funktioniert gar nicht!

Multitasking bedeutet, dass wir verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigen. Dies ist jedoch eigentlich gar nicht möglich, denn unser Verstand (nach Dr. Amishi P. Jha) funktioniert ähnlich einer Taschenlampe: Man kann nur einen Punkt erfassen und damit arbeiten. Multitasking funktioniert nur für Tätigkeiten, die „automatisch“ ablaufen und keine kognitive Zuwendung brauchen. So kann man gut spazieren gehen, und sich in ein Gespräch vertiefen. Sobald es aber schwieriger wird, wir im Gelände oder in den Bergen sind, wo wir nicht mit dem „Autopiloten“ unterwegs sein können, werden Gespräche oberflächlicher oder unmöglich. Eigentlich ist also Multitasking ein hin- und her-Hüpfen zwischen verschiedenen Aufgaben, ein hin und her-leuchten mit der Taschenlampe des Verstands in der Nacht.

Hin- und Herhüpfen – was sind die Konsequenzen?

Wie es schon die Tätigkeit „hüpfen“ andeutet, braucht das ganze viel Energie. Ähnlich einem Computer haben wir viel zu viele Fenster offen, und wenn wir „hinein-switchen“, brauchen wir immer etwas Zeit und Rechenpower (Energie), um das ganze wieder zu „laden“. In der Regel macht uns das Hüpfen müde und unglücklich, die einzelnen Aufgaben werden zum Teil schlecht erfüllt. So haben wir das Gefühl, nichts „auf die Reihe“ gebracht zu haben und sind gleichzeitig noch müde.

Was könnte die Lösung sein?

Es ist nicht schwer zu erraten: Konzentration auf Single-Tasking. Wenn man nicht gerade First-Responder ist oder bei der Feuerwehr arbeitet, dann könnte man die eingehenden Kanäle, die um unsere Aufmerksamkeit buhlen, reduzieren. Schliessen Sie am Computer die meisten Fenster. Dann kann man sich zum Beispiel überlegen, ob man noch bei den Social Media dabei sein will oder nicht. Wenn man nicht dabei ist, dann buhlt auch keiner dieser Kanäle um unsere „Attention“. Weiter kann man sich angewöhnen, nur zu bestimmten Zeiten aufs Handy zu schauen oder die Mails zu checken. Und dann soll man unbedingt schauen, dass man die Arbeiten priorisiert und nacheinander erledigt. Dies könnte zum Beispiel nach dem Eisenhower Prinzip gemacht werden, wo es die zwei Achsen „wichtig“ und „dringend“ gibt. Die wichtigen und dringenden Arbeiten werden zuerst erledigt, dann die wichtigen und nicht dringenden Arbeiten, dann die nicht wichtigen und dringenden Aufgaben, und den Rest können wir getrost seinlassen. Ein sehr wichtiger Punkt scheint mir der Fokus auf die wichtigen, nicht dringenden Aufgaben zu sein. Dies könnte zum Beispiel eine Pause zur Erholung, ein Telefonat an eine wichtige Person oder einfach Fokus auf Achtsamkeit sein.

Die Achtsamkeit als Schlüsseltechnologie

Unser Gehirn ist so konstruiert, dass es immerzu Gedanken produziert. Die Gedankenwege ähneln einem mäandrierenden Fluss, der irgendwo anfängt, und sich einfach irgendwie den Weg durchs Gelände sucht. Wenn man meditiert oder auch nur achtsam ist, dann verschaffen wir uns etwas Abstand und gehen in die Adlerperspektive und verfolgen bewusst das Mäandrierende unseres Geistes. Wir konzentrieren uns auf die Atmung und versuchen herauszufinden, was das eine oder andere mit uns macht – und so erhalten wir ein besseres Körpergefühl und sind wieder im „Driver-Seat“. Dass wir so weniger Stress empfinden, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Auch brennen wir weniger aus und können den Fokus auf genau das legen, was wir anpacken möchten . Ein wahrlich stoischer Gedanke. Meditieren führt übrigens nicht dazu, dass man keine Gedanken mehr hat. Sondern man meditiert nur, um sich dem immer wieder bewusst zu werden und sich zu beruhigen.

Fazit

Multitasking macht weder glücklicher noch produktiver – im Gegenteil. Wenn wir uns angewöhnen, nur einen Task aufs Mal, dafür von ganzem Herzen und mit voller Energie zu erledigen, dann tun wir uns und der Umwelt etwas Gutes. Wirklich erfolgreiche, glückliche Menschen brauchen weder Likes noch Bestätigung – sie tun das Richtige, und brauchen dafür auch nicht alle fünf Minuten aufs Handy zu starren. Wir kennen nun einige unserer guten Werkzeuge. Wenden wir sie an. Viel Erfolg!

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