Fokus und Übersicht

Wenn wir durch das Leben gehen, dann unterscheiden wir immer, ob wir „im Fokus“ oder „in der Übersicht“ leben. Männer haben eher den Ruf, zu fokussiert zu sein und nicht zu sehen oder zu spüren, was um sie herum läuft. Bei den Frauen scheint es vor allem der Modus „in der Übersicht“ zu sein, der sie begleitet. Sie zeichnen sich vielleicht nicht durch allzu grosse Detailkenntnisse aus, sondern sind in der Vogelperspektive dran, die grossen Puzzlestücke zusammenzusetzen.

Doch woher kommt das?
Ich denke, dass hier Darwin den Effekt gut erklären könnte: Während dem die Frauen in der Höhle die Kinder gebaren und sich um sie und die Sippe kümmern mussten, waren es die Männer, die auf die Jagd gingen. Frauen mussten permanent die Situation überblicken und bei Details immer wieder die Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten. Das Feuer, der Bär, das Kind, das Wetter… hier half es, dass die Frauen ein gutes Gespür dafür entwickelten, und der „Übersichts-Modus“ half, hier ein möglichst gute Überleben zu sichern. Bei den Männern war es anders. Sie gingen auf die Pirsch und mussten fähig sein, sich auf die Beute zu konzentrieren. Sie mussten die Fähigkeit besitzen, gnadenlos alles herauszufiltern, damit sie mehr Erfolg beim Jagen haben.

So kommt es noch heute, dass die Frauen eher sprachgewandt sind – um sich mit möglichst vielen zu verständigen – und sich die Männer eher zu Details, Physik, Mathematik, Mechanik hingezogen fühlen.

Was können wir damit anfangen?
Ich denke, dass es wichtig ist, sich seiner Fähigkeiten bewusst zu sein, bzw. sich bewusst zu sein, was wir nicht können. Denn hier brauchen wir Hilfe oder müssen uns anderswie kümmern, nichts anbrennen zu lassen.

Die heutige Welt befriedigt Männer wie Frauen gleichwohl. Dennoch gibt es vor allem in der Wahrnehmung, und danach auch in der Kommunikation viele Probleme. Oft sind sie damit verbunden, dass Frauen ein Verhalten oder ein Puzzlestück feststellen, während dem Männer eher den Vorwurf machen, dass sich Frauen nicht auf „das Wichtige“ konzentrieren.

Was es bringen kann
Man soll Versuchen, die Nachteile im Leben zu einem Vorteil zu machen. So segle ich seit vielen Jahren mit einer Crew eine Woche im Jahr durch Griechenland. Da das Segeln oft Stress für uns Stadt- und Landmenschen hat, ist es wichtig, dass wir einender gut verstehen und wir ein Vertrauen aufbauen können. Und hier kommt es für mich als Skipper darauf an, meine Crew möglichst gut einzuteilen. Es gibt Freunde die mich dafür kritisieren, dass ich eine gemischte Crew an Bord habe. Doch – obwohl wir mehr kommunizieren müssen – habe ich sehr viele Vorteile. Wenn es darum geht, ein Hafenmanöver zu fahren, dann kann ich mir in meinem Kopf ein dreidimensionales Bild zusammensetzen und weiss genau, wann wie wo ich das Steuer einschlagen muss, den Anker fallen lasse, welche Klampe ich belege und welchen Poller ich auswähle. Auch sind es die Männer an Bord, die hier folgen können. Die Frauen ziehen sich eher zurück, belegen die Klampen und melden sich, wenn etwas nicht stimmt. Die Frauen aber spüren die zwischenmenschlichen Stimmungen viel besser. Sie spüren auch, dass wir vielleicht einen Hafen anfahren möchten und haben ein viel besseres Gefühl für die Crew und die einzelnen Menschen. Ich beziehe sie ein, und sie geben mir so viele wertvolle Signale, die ich mit meiner Antenne sonst gar nicht empfangen könnte.

Wie soll ich denn darauf kommen zu sagen, dass ich die Frauen an Bord nicht mögen sollte? Natürlich gibt es Hafen- und Segelmanöver – aber die machen nur einen kleinen Teil aus. Die Frauen wissen, wann wir essen sollten, welches Lokal wir aussuchen könnten und was angesagt ist. Da bin ich mit meiner „Handwerkerkiste“ oft überfordert. So haben uns die Frauen nach einer strengen Überfahrt im Sturm eine Dusche in einem Hotel organisiert. Hätte ich als Mann nicht gespürt – und trotzdem war es genau das richtige, was wir brauchten. Und auch ist die Kombüse nie leer, es hat die richtigen „Güetzi“ an Bord. Die Frauen an Bord wissen (zu) genau, wie wir Männer und die Crew funktioniert. Und geben Gegensteuer.

So haben wir eine perfekte Crew an Bord – und mit Frauen an Bord haben wir auch den Vorteil länger zu leben, da wir tendenziell weniger übertreiben da die Frauen bremsen. Die Hilfsmittel an Bord sind für Männer ausgelegt, und so fällt es uns Männern auch nicht schwer, hier zu brillieren. Und doch sind es die Frauen mit ihrer Übersicht, Vorsicht und Voraussicht, die es ausmachen, dass der Törn gelingt.

Es ist die Mischung Ying und Yang, eine Mischung von beiden Elementen, die ein Ganzes bilden. Und da das eine nicht ohne das andere kann, sollten wir uns im Alltag eher bewusst sein, was wir sind und was wir können, und welches Element uns fehlt. Wenn unsere Energie dafür brauchen, Brücken zu bauen und ein Gleichgewicht zu schaffen, haben wir ein ausgeglichenes Leben und viel weniger Stress; der Erfolg kommt so fast von selber!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.