Action – die Welt der Probleme

Wenn man auf die Welt kommt, dann startet man mit Problemen. Man braucht eine ganze Kindheit jemanden, der einem hilft, weil man selbst nicht überlebensfähig ist. Wird man dann älter, dann kommen viele Probleme hinzu, Liebeskummer, Berufswahl, und mit einem Schlag, viel später im Leben, enden dann alle Probleme. Dann nämlich, wenn man stirbt.

Im Umkehrschluss – und diese Optik schätze ich mehr – bedeutet es, dass „Probleme haben“ mit „Leben“ gleichzusetzen ist. Will man sich allen Problemen entledigen, dann gibt es auch eine Abkürzung – doch diese möchte ich niemandem empfehlen.

Vielmehr empfehle ich die Probleme in einem etwas positiverem Licht zu sehen. Wenn wir ein Problem lösen können, dann haben wir etwas gelernt. Probleme lösen ist also eine spannende Sache – denn die Forschung besteht beispielsweise nur aus Problemen. Und kluge Menschen mit Erfahrung und einem scharfen Verstand können die Probleme lösen und so die ganze Menschheit weiterbringen.

Menschen haben einen inneren Antrieb, Probleme zu lösen. Und die Lösung eines Problems macht die Menschen glücklich. Das wiederum bedeutet, dass zu wenige Probleme die Menschen unglücklich machen, da sie träge werden und die Motivation und die Ziele verlieren.

Jeder Mensch hat eine andere Problemlösungs-Strategie. Darum erscheint es mir besonders wichtig, dass wir Menschen möglichst viel Zeit mit anderen Menschen verbringen, um von ihnen zu lernen. Kinder brauchen verschiedene Bezugspersonen, wo sie lernen und kopieren können. Kinder brauchen auch einen männlichen Mentor – die Welt der Kinder ist nämlich von Frauen geprägt. Kleinkindererzieherin, Mutter, Kindergärtnerin, Lehrerin und so weiter.

Wenn wir offen durch die Welt gehen wollen, dann ist es wichtig zu sehen, dass wir nur eine Optik haben und nur eine Grundstrategie haben, wie wir Probleme lösen. Viele Menschen haben ein egozentrisches Weltbild, was natürlich die ganze Problemlösung stark vereinfacht: Ich bin nie Schuld, wenn die anderen einfach so wären, wie ich sie haben möchte. Im Austausch mit anderen Menschen ist ein wahres Interesse nötig, um ihren Standpunkt zu verstehen und von ihnen zu lernen. Es ist unmöglich zu lernen, wenn wir das Gefühl haben, dass die anderen alles falsch machen.

Wenn jemand vor einem Problem steht, dann gibt es zwei Möglichkeiten, wie wir das tun können. Entweder wir tun das wie bei einem Säugling: Er schreit und wir geben ihm zu essen. Oder wir tun es, indem wir doch ein wenig Widerstand lassen, um dem anderen nachhaltig zu helfen. Wenn ich den Kindern bei der Mathematik helfe, dann habe ich genau diese zwei Möglichkeiten: Wenn ich das Lösungsheft kaufe und die Resultate daraus abschreibe, dann sind die Probleme sehr schnell gelöst. Jedoch nicht nachhaltig. Wenn ich dem Kind helfe und einen Lösungsweg erarbeite, dann lernt das Kind nachhaltig. Vielleicht kann ich dem Kind sogar helfen, einen eigenen Lösungsweg zu erarbeiten, das ihm besser liegt.

Die erste Form der Unterstützung – das „schenken“ der Lösung, hat einen Nachteil: Es macht abhängig. Genau so wie der Schüler ohne Ahnung vom Lösungsheft und von mir abhängig wird, kommt er in eine Blockade und das Selbstwertgefühl fällt. Somit scheint es mir viel nachhaltiger, den „Widerstand“ einzubauen und so damit zu werben, das Problem selber zu lösen. Das löst auch das Problem der Abhängigkeit, schafft Erfolgserlebnisse und hilft dem anderen, seine Fähigkeiten weiter auszubauen.

Wechselt man etwas die Optik, so können wir auch auf einer anderen Ebene Probleme lösen. Denn wenn man einen Pinguin an Land betrachtet, dann stellt man fest, wie arm dieser Kerl wohl ist. Der Hals ist kurz, die Beweglichkeit ähnelt einem Klavier und dann hat der liebe Gott auch noch die Knie vergessen. Wenn er dann ins Wasser springt, dann sieht man einen hervorragenden Schwimmer und Jäger, perfekt ans Element angepasst.

Wenn wir diesen Pinguin also in die Sahara setzen, dann wird er nur noch Probleme haben: Zu heiss, zu trocken, kein Fisch… doch ist es sein Problem, wenn es nicht klappt? Nein. Wichtig ist, dass wir Menschen uns auf einer Ebene bewegen, wo wir erfolgreich Probleme lösen können. Wenn wir also herausgefunden haben, was uns wirklich interessiert, und wo wir wirklich gut sind, dann sollten wir auf dieser Ebene Probleme lösen. Wenn wir also unseren Pinguin aus der Sahara zum Psychologen schicken würden, dann würde der Psychologe auch nicht helfen, dass der Pinguin einen längeren Hals und kräftigere Beine erhält. Vielmehr würde er ihn fragen: Wer bist Du, was kannst Du, was macht Dir Spass?

So muss der Fussballspieler nicht die gleichen Fähigkeiten wie ein Banquier haben, ein Pfarrer hat andere Skills als ein Notarzt, und ein Förster ist mit einem Bibliothekar auch nicht im selben Boot.

Wenn wir uns also auf einer Ebene bewegen, wo wir Probleme erfolgreich lösen können, werden wir erfolgreicher und glücklicher. Wenn wir aktzeptieren, dass wir nicht alle gleich sind und voneinander lernen können, dann gibt es keine Trennung mehr, unter den Menschen, sondern man versucht zu verbinden, um erfolgreich zu sein.

Wenn wir die Menschen und Kinder so nehmen wie sie sind, uns auf sie einlassen, dann haben wir ein entspannteres Leben und können viele neue Lichtblicke haben. Wenn wir Probleme als lebensnotwendig anerkennen, wie Essen und Schlafen, dann sind wir entspannter.

Es liegt an uns, ob wir Sklave oder freie Menschen sein möchten!

Probleme? Hurra, ich lebe!

Probleme habe
Viele Menschen sind negativ gegenüber Problemen eingestellt. Man will Problemen aus dem Wege gehen und den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Doch diese Erkentnis müssen wir nocheinmal logisch überdenken. Denn Probleme sind nicht negativ, sondern genau das Gegenteil: Positiv!

Alle Probleme gelöst? Akropolis – adieu!
Wenn wir am Morgen aufstehen, und Probleme haben, dann ist das ein positives Zeichen: Wir leben! Als Mensch gibt es wohl nur einen Status, bei dem wir alle Probleme als gelöst – oder zumindest als überflüssig – bezeichnen können: Wenn wir tot sind! Wenn wir also keine Probleme haben wollen, dann können wir das Leben einfach auch abkürzen, und die ganze Geschichte beenden. Was ich schade finden würde – denn Probleme machen unser Leben erst richtig aus!

Gehen lernen
Stellen wir uns ein Kleinkind vor, das versucht zu gehen. Es versucht über Tage und Wochen vom Krabbeln ins Gehen zu kommen. Es fällt immer wieder hin, tut sich weh, und doch macht es immer weiter, bis es dann schlussendlich stehen und gehen kann. Später kommt dann noch Springen, Radfahren, Judo, Balett, Tanzen und so weiter dazu. Das Leben ist also ein Prozess, bei dem man lernt, indem man Probleme überwindet.

Fehler
Der beste Freund des Problems ist der Fehler. Wenn wir also Probleme überwinden, dann machen wir unweigerlich Fehler. Und doch: Wenn wir keine Fehler machen wollen, dann lernen wir nichts dazu. Fehler machen ist also etwas positives – und soll nicht wie in der Schule bestraft oder schlecht benotet werden.

Widerstand
Wenn wir Widerstände überwinden, Probleme lösen, dann werden wir intelligenter und machen neue Synapsen in unserem Gehirn. Wir tendieren dazu, neue Widerstände zu suchen und zu überwinden. Das nennt man Lernprozess. Wenn man etwas ganz einfach lernt, so vergisst man es auch wieder schnell. Darum soll der Widerstand auch gross sein, um auch den Lernfortschritt zu vergrössern.

Helfen und Hilfestellung bieten
Wenn wir jemandem wirklich helfen wollen, dann sollten wir den Ansatz: „Hilfe zur Selbsthilfe“ anwenden. Wenn wir einem Kind bei der Mathematikaufgabe behilflich sein wollen, dann müssen wir dem Kind einen Lösungsweg aufzeigen und es dazu bringen, die Lösung selber zu erarbeiten. So wie man ein Kleinkind auch nicht nur herumtragen soll, wenn es schreit, sondern sanft die Hand geben soll, und eine Hilfestellung geben kann, damit es den Lernerfolg selber feiern kann.

Strategien um Probleme zu lösen
Als Kind soll man sich mit möglichst vielen Menschen umgeben und mit ihnen interagieren. So kann das Kind möglichst viele Problemlösungs-Strategien sehen und erkennen. Es kann das für sich selber richtige Muster kopieren und perfektionieren – ein lebenslanger Prozess! Als Erwachsener Mensch soll man versuchen, mit möglichst vielen „andersartigen“ Menschen zu kommunizieren und empathisch zu interagieren. Man soll versuchen zu verstehen, wie sie funktionieren. Und so können wir sehen, dass wir nur eine mögliche Lösung haben, um Probleme zu lösen. Vielleicht ist eine andere Strategie besser, und dann sollten wir uns diese aneignen. Als Nebeneffekt verstehen wir die Menschen auch besser. Verstehen heisst nicht einverstanden sein. Aber wahre Empathie ist eine wahre Kunst!

Probleme – let’s go!
Wer also wahre Stärke erreichen will, der nimmt Probleme und Widerstände als Hindernisse an, die überwunden werden müssen. Mit der zusätzlichen Kraft können wir anderen Menschen helfen, die vor einem Problem stehen und nicht weiterkommen. Wir können also der Menschheit dienen, indem wir Probleme lösen und helfen. Ist das nicht wunderschön?

Paradies
Viele Menschen glauben daran, dass wenn sie ins Paradies kommen, alle Probleme gelöst sind. Wie sieht es denn dort aus? Haben wir unendlich Zeit, wissen alles, trinken immer Kaffee und hören alle Lieblings-Musikstücke gleichzeitig? Haben wir alle schönen Seiten des Lebens im Überfluss? Ich denke, es ist wie beim Schwarzwäldertorte-Essen. Das erste Stück ist himmlisch, das zweite Stück ist auch noch gut, beim dritten Stück haben wir ein Völlegefühl und beim nächsten Stück wird es uns schlecht. Knappheit ist ein Zeichen von Qualität, Probleme sind ein Zeichen von Leben. Ein Paradies ohne Probleme kann für mich in der Logik nicht existieren.

Gedanken über das Denken

Viele Menschen gehen durch ihr Leben ohne sich viele Gedanken zu machen. Dennoch finde ich es schade, die Tage einfach so abzuspulen wie den Faden ab der Spindel. Denn irgendwann ist fertig – und so lange wir am Leben sind, tun wir gut dran, die Zeit achtsam zu verbringen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Verlies und einer Burg?
Bei beiden ist man in einem maximal geschützten Raum umgeben von Steinen, Mauern und Toren. Und doch gibt es zwei wesentliche Unterschiede. Im Verlies wird die Aussenwelt vor uns geschützt, währenddem wir uns in der Burg vor der Aussenwelt schützen. Doch das Wichtigste ist die Kontrolle: Im Verlies werden wir kontrolliert, währenddem in der Burg wir ein Gebiet kontrollieren.

Unser Gehirn
Unser Gehirn liegt eingesperrt in einem Kessel, Schädel genannt. Im Griechischen heisst das Gehirn Enkefalos – im Kopf. Es ist also eingesperrt in einem Schädel, schwimmt in einer Flüssigkeit und ist in der Finsternis. Doch ist unser Gehirn deswegen in einem Verlies? Mitnichten: Denn wir haben die Möglichkeit, Reize von aussen wahrzunehmen, diese zu verarbeiten daraus Handlungen vorzunehmen. Das Gehirn hat also die Funktion einer Burg, die den Körper kontrolliert.

Die Alterung
Unser Gehirn schliesst bis am letzten Tag unseres Daseins neue Synapsen und entwickelt sich immer weiter. Wir sind also nie der gleiche Mensch, der wir gestern waren. Währenddem unser Körper mit der Zeit langsam zerfällt, kommt unser Gehirn mit den Mankos relativ gut zurecht. Durch seine Plastizität kann es die Nachteile wieder ausgleichen. Schade ist, dass wir am Morgen jeweils in den Spiegel schauen, und nur diesen Teil betrachten, der immer älter wird. Über die Erkenntnisse, die wir gemacht haben, freuen wir uns weniger. Sondern wir nerven uns über die neuen Falten.

Motivation
Wenn wir uns also bewusst sind, dass unser Gehirn eine Burg ist, und wir jeden Tag wieder Möglichkeit zum Handeln haben, dann sollten wir uns darüber freuen! Noch mehr sollten wir uns von den Zwängen befreien und uns bewusst werden, dass das Handeln in unseren Händen liegt. Wir können die Welt verändern. Sei dies mit Wort, Schrift, Handlungen aller Art. Es liegt an uns – packen wir es an!

Erleben oder ergründen?

Viele Menschen gehen durch ihr Leben und versuchen, möglichst viel zu Erleben und zu Konsumieren. Sie halten die Stille für inhaltslos und können einen Moment der Ruhe nicht aushalten. Das Mobiltelefon immer parat um zu checken, was im Facebook, Snapchat oder auf einem Nachrichten-App so geht. Man übt sich in Zerstreuung und vergisst, sich Gedanken zu machen.

Wenn ich acht Stunden Zeit hätte um einen Baum zu fällen, würde ich sechs Stunden die Axt schleifen. (Abraham Lincoln)
Lincoln bringt etwas auf den Punkt, das in der heutigen Zeit verloren gegangen ist: Das Schleifen der Werkzeuge. Im übertragenen Sinn hacken wir mit einer stumpfen Axt in der Gegend herum und sind froh, wenn zwischendurch ein Baum irgendwo hinfällt. Unsere Welt ist doch geradezu dafür gemacht, in der Gegend herumzutoben, tausend Sachen anzufangen und nie zu einem Ende zu kommen. Doch es ist später, als wir denken! Oder wer von uns lebt schon ewig, um die sinnlos vergeudete Zeit wider mit sinnvollem Inhalt zu füllen?

Erleben oder ergründen
Wenn früher eine Reise machten, so waren wir meist Pilger. Wir schritten den Jakobsweg ab und ruhten zwischendurch und nahmen die spirituelle Kraft wahr. Wenn wir heute eine Reise tun, dann konsumieren wir. Wir reihen Top-Erlebnisse aneinander und machen uns keinerlei Gedanken darüber, was es uns bringt oder wie es uns weiterbringt. Facebook verleitet uns, Bilder zu machen und hochzuladen. Würden wir die Wirklichkeit mit Worten beschreiben, so müsste das Bild zuerst durch unseren Kopf durch und wir könnten das für uns Wesentliche ergründen. Im Louvre gehen alle Menschen die Mona-Lisa fotografieren und stellen das Bild online. Noch im Museum – sie ziehen sich in eine Ecke zurück und laden es hoch. Dabei gibt es abertausende gute Bilder von Mona Lisa. Die Frage: „Wie wirkt das Bild auf mich?“ scheint veraltet. Wir denken, wir könnten uns dann die Frage später stellen. Und dann gibt es noch andere, mindestens so geniale Bilder im Louvre. Das Museum hat sogar einen zweiten Stock, den niemand zu kennen scheint…

Reisen mit Achtsamkeit
Ich habe mir als Kind gewünscht, eine Reise nach Japan zu machen. Als Judoka wollte ich unbedingt die Quelle des Judo und deren Inspiration kennen lernen. So ging ich also nach Japan und versuchte, jeden Moment auf mich wirken zu lassen und mir die wahre Schönheit anzuschauen. Ich hatte in Tokyo und in Kyoto für einen Tag einen Guide, von dem ich mir nicht nur die Sehenswürdigkeiten habe vortragen lassen. In Tokyo regnete es am Tag mit dem Guide den ganzen Tag sintflutartig. So habe ich mit Kyoko den ganzen Tag über Kultur und das „Hintergründige“ gesprochen, währenddem der Kaiserpalast und der Shinto-Shrine im Regen zu erleben waren. Beim Reisen durch den Garten des Shrines in Tokyo hörte ich das Geräusch des Kieses unter meinen Schuhen und die Musik, die der Regen in den schönen Wald brachte. Im Shrine angekommen fand eine Teezeremonie statt und wir waren fast alleine – in der Top-Sightseeing-Destination in Tokyo! Der Guide fragt mich ein paar Mal, ob ich nicht ein Foto machen wolle. Nein. Denn auf dem Foto war die Stimmung depressiv, grau in grau, und sie widerspiegelte meine innere Ruhe und Freude in keinster Weise. Unendliche Geschichten könnte ich noch erzählen – viele Menschen glauben dann, ich wäre jahrelang in Japan unterwegs gewesen. Nein! Ich hatte einfach ganz viel Zeit, mit Achtsamkeit das Wesen und mich selber zu ergründen. Und was gibt es schöneres, als in einem Zen-Garten auf einer Steinbank zu sitzen, und zu sehen, wie der Wind die roten Blätter des Herbsts durch die Gegend trägt? Wie kann man so etwas „fotografieren“, ohne die Essenz zu verlieren? Unmöglich.

Zeit haben
Anstelle unsere Zeit mit unnötigen Zerstreuungen zu „verleben“, empfehle ich, Achtsamkeit zu zelebrieren. Mit Menschen sprechen, sie zu verstehen versuchen, und auch etwas gut sein lassen, was uns vielleicht nicht passt. Nehmen wir uns mehr Zeit, um die Axt zu schleifen. Schärfen wir unseren Verstand, damit wir das richtige Tun, das richtige Sagen und das richtige verstehen! Effektivität vor Effizienz.

Die Natur
Die Natur ist unordentlich und chaotisch – und doch perfekt. Mit dem Perfektionismus der Menschen zerstören wir die Natur. Wir zerstören Lebensräume und die Grundlage der ganzen menschlichen Rasse. Wir sollten uns darüber Gedanken machen, wie wir damit umgehen. Die Welt ist ein wunderschöner Ort und es ist meine und unsere Pflicht, dies unseren Nachkommen auch so zu überlassen! Ohne sich darüber Gedanken zu machen, werden wir nicht richtig handeln. Zeit, sich darüber klar zu werden!

Die Welt ist subjektiver als wir denken!

Wenn wir die Welt betrachten, so bekommen wir das Gefühl, dass wir ein reales Abbild dieser Welt im Kopf haben. Wir nehmen an, dass uns wichtiges nicht entgeht und alles genau so geordnet ist, wie wir uns das vorstellen. Wir denken, dass wir die Welt ausgewogen sehen und dass wir wissen, was wichtig ist und was nicht. Denken wir.

Denkt der andere wie wir?
Stellen wir uns vor, wir haben klopfen mit dem Finger den Takt eines Liedes, das wir im Kopf haben. Was denkst Du, wie gross ist die die Wiedererkennungsrate? 50%? 80% Wir denken an „Last Christmas“ von Wham, sehen das schöne Chalet im Wallis vor uns mit der Schneeballschlacht. Wir klopfen und klopfen… die Rate ist bei mageren 2.5%. Von 100 Liedern werden nur zwischen zwei und drei Liedern erkannt. Warum ist das so?

Wie sieht die Welt denn aus?
Wir nehmen an, dass der andere die Welt auch so sieht wie wir. Und das ist der Fehler! Wir alle sind geprägt von Informationen und Erfahrungen. Wir haben unterschiedliches erlebt und setzen andere Schwerpunkte. Wir empfinden unterschiedlich und sind durch unsere Kultur und Subkultur unterschiedlich geprägt.

Alles eine Frage der Perspektive?
Wenn wir zwischen zwei gegenübersitzenden Personen ein Blatt legen, dass auf der einen Seite eine „6“ sichtbar ist. Dann wird der Mensch auf der anderen Seite behaupten, es sei eine „9“. Wir können streiten, doch beide haben recht! Was für den einen eine 6 ist, kann für den anderen eine 9 sein. Nur wenn wer sich in mich hineinversetzt, können wir gemeinsam eine 6 und eine 9 sehen. Streit scheint also eine falsche Strategie zu sein.

Sehen wir das gleiche, wenn wir die gleiche Perspektive haben?
Wenn zwei Menschen aus der gleichen Perspektive aus dem Fenster schauen, dann sehen sie doch das gleiche. Oder? Wenn wir die Menschen dann fragen, dann sieht der eine die Bäume, die zurückgeschnitten worden sind. Der andere sieht die Spuren im Schnee. Der dritte bemerkt, dass das Fenster nicht gut geputzt ist. Der vierte sieht einen Vogel, der vorbeizieht. Nicht einmal wenn wir aus der gleichen Perspektive schauen, sehen wir das gleiche!

Meinen wir das gleiche, wenn wir etwas sagen?
Wenn wir das Wort „Bank“ sagen. Was verstehen die verschiedenen Menschen darunter? Für mich ist der Fall klar. Da ich eine Banklehre gemacht habe, verstehe ich fast immer ein Finanzinstitut darunter. Als mir beim Segeln mein Navigator sagte, dass vor dem Bug eine Bank sein könnte, dann sah ich vor meinem geistigen Auge ein altehrwürdiges Gebäude im Wasser. Haben wir etwa Atlantis gefunden? Nein, eine Sandbank tut’s auch! Der Kapitän versteht also unter einer Bank eine Sandbank. Was, wenn ich einem Schreiner sage, er solle mir eine Bank erstellen? Er wird mir wohl weder den Garten mit Sand überhäufen, noch einen Schalter hinstellen, wo man Geld beziehen kann. Er wird mir eine gute alte Sitzbank herstellen, wo ich einen Sommerabend geniessen kann! Wie sieht es mit anderen Begriffen aus wie Wahrheit, Gerechigkeit, Konsequenz aus? Verstehen wir alle das gleiche?

Was ist denn Wahrheit und was ist Gerechtigkeit?
Wahrscheinlich gibt es „die Wahrheit“ gar nicht! Da jeder Mensch die Welt durch eine Vielzahl von Filtern sieht, ist das Weltbild des einzelnen immer verzerrt. Es wird noch schlimmer, denn es wird unterschiedlich verzerrt: Jeder Mensch sieht es anders! Somit ergibt sich eine Wahrheit – nämlich die eigene Wahrheit. Zu glauben, dass der andere die gleiche Wahrheit hat, wäre töricht. Bei der Gerechtigkeit ist es ähnlich. Da wir unterschiedliche Wahrnehmungen und Programmierungen haben, empfinden wir andere Massnahmen als gerecht. Steinigung, Todesstrafe, Gefängnis, Rüge oder Lob? Alles gerecht oder ungerecht im Auge des Betrachters! Ich habe noch nie einen Menschen angetroffen, der Unsinn spricht. Jeder Mensch sieht die Wahrheit so, wie er sie durch seine Filter sieht. Und das ist für ihn die Wahrheit – und kein Unsinn.

Bewusstes und Unbewusstes
Vera Birkenbihl sagte: Wenn wir 15mm bewusstes haben, dann haben wir 11km unbewusstes. Stellen wir uns dies mal vor! Der bewusste Bereich stellt 0.00013636% dar! Er ist also so unendlich klein, dass wir ihn fast vernachlässigen können! Sprechen wir also mit einem Menschen und versuchen uns in ihn hineinzuversetzen, dann werden wir auch von ihm viele Sachen hören, die gar nicht stimmen können, weil sie unbewusst ablaufen. Wir stochern also mit einer Taschenlampe mit 15mm Tragweite in einem Nebel-Kanal von 11km herum. Da wird sich sicher noch einiges finden lassen, dass interessant ist!

Mikro-Mimik lügt selten
Wenn wir Lügner beispielsweise entlarven wollen, dann können wir auch auf die Gesicht achten. Wohl wissend, dass die Mimik nicht ausschliesslich bewusst gesteuert wird, können wir auf Anzeichen achten, die uns eine Lüge verraten kann. Wir können uns also den Bereich des Unterbewussten gewissermassen zum Komplizen machen!

Was ist die Lösung?
Als erstes müssen wir uns bewusst werden, dass unsere Sicht der Welt nur eine Möglichkeit darstellt, wie man die Welt sehen kann. Wir müssen also vom Bild abrücken, selber auf einem Berg zu stehen und alles objektiv zu sehen. Wir sind viel subjektiver unterwegs, als wir denken! Was wir tun können, ist uns mit den anderen Menschen zu beschäftigen und bei ihnen nachzufragen. Man muss versuchen, ihre Gefühle und ihre Sicht abzuholen um ein besseres Verständnis zu bekommen. Das nennt man Empathie. Empathie fängt an mit Respekt. Respekt vor dem anderen, seiner Meinung und seines Wesens. Wichtig ist, dass man nicht die Position des anderen versteht, sondern sein Interesse. Wenn wir selber bei unserer Position das Interesse ergründen, können wir viel besser mit anderen Menschen umgehen, sie verstehen und mit ihnen verhandeln. Dies bringt sicherlich auch mehr Frieden. Denn wenn man sich bewusst wird, dass es verschiedene Wahrheiten gibt, dann werden wir nicht einfach blind auf den anderen einschlagen. Wenn wir die Interessen auf einer Linie haben, können wir eine Linie finden, die gut ist!

Nachtrag zum lieben Thema Kompromiss: Reisen
Ich möchte mit meiner Partnerin in die Ferien gehen. Sie möchte gerne nach Indien, ich möchte gerne nach Dubai. Wir machen einen Kompromiss: Wir treffen uns in der Mitte. Wir nehmen einen Linial, verbinden Indien mit Dubai und bestimmen die Mitte. Wow, ein Kompromiss! Werden wir beide glücklich sein, wenn wir am Flughafen von Kandahar in Afghanistan aussteigen? Wohl eher nicht. Hätten wir das Interesse ergründet: Sie möchte gerne die Kultur geniessen, und ich möchte gerne Badeferien, dann hätten wir uns beispielsweise auf den Oman geeinigt. Wir hätten also die Interessen ergründen müssen, und nicht auf den Positionen beharren sollen!

Nachtrag zum lieben Thema Kompromiss: Die Orange
Zwei Schwestern streiten sich um eine Orange. Nach einem langen hin und her wird es der Mutter zu bunt, sie packt die Orange, teilt sie und gibt jeder Tochter genau die Hälfte. Sie hat doch gut und gerecht gehandelt, oder? Leider nicht, denn die eine Schwester hätte gerne einen Orangensaft gepresst, und hätte dafür den Inhalt der Orange gebraucht. Die andere Schwester hätte gerne einen Kuchen gebacken, und hätte dafür die Schale gebraucht. Man hätte also beim Ergründen der Interessen den Streit sofort beenden können und so quasi aus einer Orange eine zweite gemacht. Nun stehen sie beide halb unglücklich da, mit einer Orangenhälfte in der Hand.

Die Welt ist subjektiver als wir denken!
Wenn wir also mehr auf den anderen eingehen, seine Interessen und seine Gedanken erfassen, dann können wir viel eher Brücken bauen und eine gute Bindung aufbauen. In unserer digitalen Welt haben wir quantitativ viel mehr Bindungen zu anderen Menschen, aber diese sind weniger tief. Nur tiefe Bindungen schaffen Vertrauen und bringen Verständnis und Frieden. Und hier sehe ich ein Problem unserer Zeit: Obwohl die Quantität der Freunde steigt, sinkt die Qualität der Beziehungen und wir werden unzufrieden. Es ist also an der Zeit, wieder Freundschaften aufzubauen, Bindungen zu stärken und die Menge zu reduzieren. Suchen wir für uns das „Gute“ und nicht das „Viele“. Denn das „Gute“ wird uns letztendlich Glück und inneren Frieden bringen. Wenn wir wissen, dass wir die Welt subjektiv wahrnehmen und uns austauschen, entsteht ein gemeinsames Verständnis für den anderen. Und das tut gut!

Über die grossen und kleinen Geister

Grosse Geister sprechen über Ideen
Durchschnittliche Geister sprechen über Dinge
Kleine Geister sprechen über andere Leute

Unbekannt

Verantwortung
Wir sind jeden Tag wieder in der Verantwortung und können den Steuerknüppel in die Hand nehmen. Wir können immer entscheiden, was wir tun, was wir sagen und was wir wie beeinflussen. Und doch scheint es sehr schwierig, hier wirklich Einfluss nehmen zu können. Warum? Denn wir hätten den Schlüssel wirklich in der Hand. Eine mögliche Antwort: 99% der Entscheidungen werden unbewusst getroffen, nur bei 1% nehmen wir wirklich Einfluss. Wir treffen pro Tag vielleicht 160’000 Entscheidungen, wobei die erste schon am Morgen ist, ob wir aufstehen, wenn der Wecker klingelt, oder ob wir gemütlich weiterschlafen.

Natürlich sind die Konsequenzen nicht gross, wenn wir am Morgen einen Cappuccino anstatt eines Espressos nehmen. Beim Umgang mit unseren Mitmenschen empfehle ich jedoch sehr, die Achtsamkeit zu erhöhen. Wie begegne ich meinem Partner, wie begegne ich meinen Kindern? Wir sind uns viel zu wenig bewusst, was wir für einen Multiplikator haben, wenn es darum geht, mit der Umgebung zu kommunizieren.

Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer
Viele von uns besitzen ein Gehirn, das jeden Super-Computer in den Schatten stellt. Und doch scheinen viele Menschen Angst davor zu haben, das „Ding“ aus dem Stand-By-Modus zu wecken und anzufangen, über gewisse Dinge nachzudenken. Würden wir so einen Computer kaufen, dann würde ich mich fragen, ob er wohl so unbenutzt herumstehen würde. Warum vergiften wir unseren Körper, als hätten wir einen zweiten? Warum überschütten wir unsere Mitmenschen, die wir lieben, mit Pech und Schwefel? Alles Sachen, die bei sachgerechter Benutzung des Gehirns nicht passieren müssten.

Das Leben ist voller…
Wenn wir eine grosse Anzahl Menschen fragen würden, was sie denn hier ergänzen würden, dann würde man nicht schlecht staunen. Zuoberst auf der Liste stehen die „Idioten“ oder – umschrieben – Körperöffnungen, die zwar finster, aber nicht windstill sind. Warum hören wir denn nicht „Chancen“, „Möglichkeiten“, „Licht“? Ich vermute, dass genau nicht Routine-Vorgänge die meisten Menschen verunsichern und darum vermieden werden sollten. Darum sind „Chancen“ für die meisten Menschen schlecht. Oder?

Von Fröschen und Adlern
Ganz grob können wir die Menschen charakterlich in Frösche und Adler unterteilen. Die Frösche quaken an einem Teich, haben eine kleine Welt, die sich kennen und müssen ständig fürchten, gefressen zu werden. Die Adler sind in der Luft und haben keinen natürlichen Feind. Sie haben die Übersicht und sind immer voll in der Verantwortung. So sieht auch das Weltbild aus. Bei den Fröschen ist die (ihre) Welt voller Gefahren und kann schwer beeinflusst werden. Die Adler haben die Übersicht, sie können viele Kubikkilometer abfliegen und sie wissen, dass die Welt wunderschön ist.

Der grosse Geist
Grosse Geister – Adler – sprechen gerne über Ideen und Visionen. Sie können Menschen zusammenbringen und in ihren Menschen das „innere Feuer“ entzünden. Sie machen das Leben der anderen leichter.

Der mittlere Geist
Auf der Zwischenstufe zwischen Adler und Frosch sprechen die Leute gerne über Dinge, über Nachrichten, über Probleme. Sie sprechen über Tatsachen – ungesehen davon, ob sie relevant sind oder nicht. Die Gespräche und Gedanken drehen sich im Kreis un es gibt keine wirkliche Lösung. Auch gibt es keinen wahren Mehrwert im Austausch – es gibt viel Austausch.

Der kleine Geist
Auf der Stufe „Frosch“ sprechen die Menschen gerne über andere Menschen und deren Probleme. Sie kritisieren, verurteilen und sind besserwisserisch. Weil das eigene Leben vielleicht so mühselig ist, alle Menschen nur gemein sind und die Welt sowieso nur aus Idioten besteht, gibt es ihnen Trost, über die Probleme der anderen zu sprechen.

Vom Stand-by in den Aktiv-Modus
Können wir denn überhaupt vom Frosch zum Adler werden? Ja, aber nicht so schnell. Wir müssen zuerst unser Gehirn „aktivieren“ und uns bewusst werden, dass wir eines Tages nicht mehr da sind. Und das geht allen so! Wie wollen wir denn die Zeit zwischen dem „jetzt“ und dem „adieu“ verbringen? In einer Hölle, ständig in Angst, gefressen zu werden? Oder doch lieber in der Luft, mit der Hand am Steuerknüppel die Schönheiten des Lebens geniessen? Die Zeit ist vergänglich, und so müssen wir die Zeit unbedingt nutzen! Wir müssen nur das Gehirn starten und ein paar Neuprogrammierungen vornehmen.

Achtsamkeit
Um in die Adler-Welt zu gelangen müssen wir die Achtsamkeit steigern und uns bewusst werden, dass wir unser Gehirn und unseren Körper mehr gutes tun. Wie werden Kinder glücklich? In einem Spiel, in dem sie ganz aufgehen und kreativ „schaffen“ können. Und auch wir Erwachsenen können das so tun! Indem wir andere Menschen glücklich machen, helfen, und uns selber gutes tun. Und in dem wir nicht alles so verdammt ernst nehmen, vor allem uns selber. Wie geht das zusammen, Leichtigkeit und Achtsamkeit? Wenn ich mich auf die richtigen Punkte konzentriere und nur noch gutes mit den Menschen bespreche, dann kommt die Leichtigkeit von selber. Wir können Frustration und Bitterkeit getrost abschütteln – denn wir müssen das nicht fühlen, wenn wir das nicht wollen!

Carpe diem, nutze den Tag!

Das Wasser – ein Gleichnis

Es ist faszinierend, welche Gleichheiten das Wasser mit unserem Leben hat. Es entsteht irgendwo in einer Quelle, verbindet sich immer mehr und landet dann im grossen Ozean. Dort nicht mehr als Tropfen erkennbar und vernachlässigbar und doch vorhanden. Es bietet wieder die Lebensgrundlage für andere.

Für Wasser gibt es zwei Haupteigenschaften
– Die Funktion in der Stille, glasklar, durchsichtig und schön, dass sich der Himmel und die Sterne darin reflektieren.
– Die Funktion der Kraft, tosend als Bergbach, als Gezeiten-Strömung, als Welle

In unserem Leben wird immer mehr die Funktion der Kraft nachgefragt: Wir sind leistungsorientiert und müssen die Funktion haben, die Turbine der Geldmaschine anzutreiben. Es erstaunt, dass der Lebenszweck vieler Menschen nur noch das Geldverdienen zu sein scheint.

Wenn wir unser Leben in absoluter Stille und Stillstand leben, auch da ist der Vergleich mit dem Wasser opportun, dann verfault das Wasser und kippt. Es wird zu einer Brühe.

Und genau hier kommt der Gedanke auf: Es braucht beides!

Es braucht die Stille und Ruhe, wo wir das Wasser als Reflektions-medium brauchen können oder als Mittel, um auf den Grund (der Tatsachen und Probleme) schauen zu können. Es braucht die Ruhe um die Kraft zu schöpfen, um dir richtigen Entscheidungen zu treffen und um nicht getrieben zu werden.

Es braucht aber auch die Kraft. Die Kraft um (positiv) zu verändern und zu wirken. Die Power, um Dinge zu verändern und anzupacken, etwas anzustossen, zu Lachen und zu feiern.

Wir leben in einer Welt, die nie schläft. Das Internet ist immer geöffnet, die Welt ist ein globalisiertes Dorf, wo die Sonne nie untergeht und es immer irgendwo eine Happy Hour gibt. Wir werden in eine Illusion geführt, dass auch wir nie schlafen müssen, denn es läuft immer irgendwo etwas. Man könnte aber auch sagen, dass es irgendwo auf der Welt immer Nacht ist – und das wird nicht wahrgehabt. Stille und Ruhe werden als mangelnde Leistungsbereitschaft taxiert. Vielleicht als Trägheit und Faulheit. Schöne Qualifikationen!

Denken wir daran, dass die Nacht ohne den Tag nicht existieren könnte – und umgekehrt. Es braucht die Sonne und den Regen – in richtigen Mengen. Es sind nicht Gegensätze, sondern Ergänzungen! Das eine kann ohne das andere nichts schlaues bewirken.

Nehmen wir uns etwas Zeit, um nachzudenken und durchzuatmen. Das Leben ist viel zu kurz, um es wie eine Wunderkerze einfach Vollgas abzubrennen!

Akzeptieren oder verändern?

Letzthin ist mir eine typische Frauenzeitschrift in die Hände gekommen. Es ist mir aufgefallen, dass sie sich in zwei Blöcke einteilen lässt: Den Block „Du bist gut so wie Du bist“ und den Block „in zehn Schritten zur / zum …“ (Traummann, Wunschgewicht, Sommerfigur, Geld / Reichtum usw.). Und es fiel mir auf, dass es zwei klare Gegenpole sind: Den Pol „verändere, greife ein, handle „, und den Pol „akzeptiere, ändere die Einstellung dazu, wu-wei. Komisch! Da kauft man ein Heft, in der ersten Hälfte erfährt man, wie man Dinge ändern kann, um dann in der anderen Hälfte wieder die Einstellung dazu zu ändern und nichts zu tun.

In vielen meiner Blogs empfehle ich, die Dinge in die Hände zu nehmen und zu ändern. In anderen empfehle ich, tief durchzuatmen und die Dinge so nehmen, wie sie sind. Nach dieser Logik ist es, wie wenn ich einen Wagen bewegen möchte, und ich jemanden bitte, hinten zu stossen, und jemand anderen bitte, vorne zu stossen. Auch wenn beide volle Energie einsetzen, der Wagen wird sich nicht bewegen. Das Ergebnis ist also Null. Oder?

Ying und Yang
Vielleicht finden wir die Lösung, wenn wir einen anderen Denkansatz wählen. In einem ausgeglichenen System hat es von Ying und Yang immer gleich viel. Und in jedem hat es etwas vom anderen. Das Leben wird von den beiden Gegensätzen quasi angetrieben: Tag und Nacht, Regen und Sonne, Sommer und Winter, Jung und Alt, warm und kalt, still und laut, gross und klein… Usw. Das eine kann ohne das andere nicht sein. Wenn wir zu unserem Grundproblem kommen, dann können wir auch feststellen, dass Handeln und Akzeptieren Gegensätze sind – die aber ohne einander nicht auskommen. Auch im Handeln gibt es Elemente des Akzeptierens, auch im Akzeptieren gibt es ein Element des Handelns – Das Akzeptieren selber ist ja auch eine Handlung.

Was nun?
Nun gut, jetzt haben wir analysiert, dass diese Frauenzeitschrift gar nicht so nichtsnützig ist, wie wir vermutet haben. Wie geht’s nun weiter? Was wir machen müssen, ist eine Zwischenstufe einschalten: Die bewusste Entscheidung oder anders gesagt: Die Achtsamkeit.

Achtsamkeit
Bei der Achtsamkeit geht es darum, dass wir im hier und jetzt ankommen und uns bewusst werden, dass wir handeln können – und auch akzeptieren können. Und wenn wir uns der Achtsamkeit bewusst werden, dann können wir einen grossen Schatz heben, der vielen Menschen verborgen ist. Achtsamkeit ist eine Kunst, die wir zuerst einüben müssen. Unsere Welt ist getrieben von vielen Kommunikationskanälen, die nie schlafen. Wir werden angetrieben, immer mehr Leistung zu bringen und werden alt, ohne zu wissen, was wir eigentlich gemacht haben.

Es gibt dazu eine schöne chinesische Geschichte: Ein Mann sass auf einem Pferd, das sehr schnell galoppierte. Der Kaiser hielt die beiden an und fragte er den Mann: „Sie müssen sehr in Eile sein, wo möchten Sie hin?“ Der Mann antwortete: „Ich weiss es nicht, fragen Sie das Pferd!“. Ein solches Phänomen glaube ich im heutigen Zeitgeist wiederzuerkennen: Viele Menschen bewegen sich ungeheuer schnell und unverbindlich durch das Leben, sie wissen jedoch nicht, wohin die Reise geht und warum es so schnell geht.

Wenn wir diesen Zustand des sinnlosen Galoppierens erkennen, dann können wir auch etwas dagegen tun. Durch ein Bewusst-Werden der Situation, durch Achtsamkeit, können wir uns bewusst entscheiden, was wir möchten. Wir erlangen durch den Zustand der Achtsamkeit die Kontrolle zurück – wenn es etwas zu tun gibt, dann tue ich es, weil Ich das will! Und nicht weil jemand anderes es möchte. Wenn wir also vom Befehlsempfänger zum Chef werden, dann erlangen wir die Kontrolle zurück und kommen so dem Glück etwas näher. Auch wenn wir morgen arbeiten gehen müssen – eine schreckliche Einstellung – dann können wir das ändern, indem wir uns sagen, dass wir arbeiten gehen möchten! Immerhin ziehen wir uns an, entscheiden bewusst, dass wir gehen. Mit dieser Einstellung sind wir doch viel befreiter, oder?

Akzeptieren vs. Verändern
Um den Kreis zu schliessen: Wenn ich achtsam bin, dann sind Handeln und Akzeptieren Gegensätze, die wir zum Leben brauchen. Wir müssen nur bewusst einen Weg gehen – eben entscheiden oder akzeptieren – und nicht im Nebel des Zweifels, des Selbstmitleids und des „Warum-nur“ Effekts herumirren. Ich handle – also handle ich: klug und nachsichtig. Ich akzeptiere: also akzeptiere ich voll und ganz aus eigenen Stücken – und nicht, weil ich mich nicht zu wehren weiss.

Frauenzeitschriften
Und so lese ich die Frauenzeitschrift weiter, und habe ein esoterisches Lachen im Gesicht: Wer sein Wunschgewicht mit 10 Schritten oder der beliebten Mango-Lassi-Diät erreichen will, der soll es doch tun. Wer lernen will, sich so zu nehmen wie er ist, soll dies tun. Auch das ist gut so. Am Ende des Tages möchten diese Hefte verkauft werden und wir finden uns sicher in einer Hälfte des Heftes selber wieder – und so entsteht ein gutes Gefühl und das Heft verkauft sich weiterhin blendend. Auch wenn es vermutlich nichts als pure Unterhaltung ist.

Der Schlüssel bleibt Achtsamkeit
Wenn wir also achtsam sind, ein „spectateur attentif“, dann kann uns der Mechanismus nicht entgehen. Wir werden zu Genussmenschen, weil wir den Moment geniessen und mitbekommen, was um uns herum passiert. Wenn wir dann noch menschenfreundlich und achtsam handeln, dann können wir die Welt um uns herum etwas besser machen. Ohne zu viel Energie zu verschwenden – wenn wir wissen, wie das Spiel geht, dann stehen wir darüber und begegnen der Welt mit einem Lächeln – und das kann man ruhig verschenken, ohne ärmer zu werden und ohne Energie zu vergeuden!

Die Masse der Menschheit ist dumm

Dieses Bonmot stammt von Friedrich Schiller und tatsächlich fragt man sich manchmal, ob die Menschen als Masse eine Schwarm-Intelligenz oder eine Schwarm-Dummheit entwickeln. Trotzdem es scheint, dass die Masse eher auf der dummen Seite steht, möchte ich es nicht so stehen lassen, denn Dummheit und Intelligenz sind Bewertungen, dich ich nicht einfach so hinnehmen möchte.

Interessant wäre eher herauszufinden, ob die grosse Masse einen intelligenten, wohlüberlegten Weg geht, oder ob sie eher einen kurzfristigen Weg beschreitet: den Weg des geringsten Widerstandes.

Dass Menschen nur schwer in der Lage sind, längerfristig zu denken, zeigt sich als erstes an seiner Natur: Mit etwa 80 Jahren ist Schluss. Wenn er vielleicht 500 Jahre leben würde, dann könnte er vielleicht längere Horizonte abdecken. Oder? Leider nein. Studien zeigen (Kahnemann), dass Menschen kurzfristig und auf 30 Tage schon sehr unterschiedliche Entscheidungen treffen. Was ist den mit Themen, die eine sehr grosse Langfristigkeit haben? Atomenergie, Umweltschutz, usw?

Hier kann man gut die beiden Denksysteme wieder ins Spiel bringen. Das Denksystem 1 ist immer verfügbar, braucht wenig Energie und liefert rasch Ergebnisse. Problem: Es ist sehr fehleranfällig. Das Denksystem 2 ist anstrengend und langsam, es liefert Ergebnisse, die nicht harmonisch sind. Darum wird es in vielen Fällen nicht gebraucht – es braucht einfach zu viele Ressourcen.

Das Denksystem 1 ist nie überfordert. Es liefert uns immer eine Antwort, auch wenn sie falsch ist. Wenn wir eine komplexe Frage beantworten müssen, und es nicht könnten, so ersetzen wir die Frage einfach mit einer anderen, beantworten diese, und übernehmen die Antwort wieder für die komplexe Fragestellung. Dass das System fehlerhaft sein muss, ist hier schon klar. Doch scheint es für die Menschen schwieriger, eine Frage mit Denksystem 2 zu beantworten oder schlicht und einfach keine Meinung zu haben.

Unser System 1 ist sehr einfach manipulierbar und anfällig für Werbung – Denksystem 2 würde uns ja zurückliefen, dass Werbung Werbung ist, und nicht ein Abbild der Realität – und auch für Propaganda. So werden Feindbilder eingeführt, so dass man bei der nächsten Abstimmung auch wirklich „richtig“ abstimmt. Die einfachen Argumente ziehen, zu grosse Komplexität hängt die Menschen ab.

Man hat für jede komplexe Frage eine einfache Antwort – und sie ist meistens falsch.

Fazit: Die Masse ist nicht „dumm“, jedoch kann sie falsch entscheiden, wenn sich die meisten Menschen auf Denksystem 1 verlassen. Vielleicht wären die Entscheidungen besser, wenn bei einer Abstimmung beide Lager gleich viele Feindbilder erzeugen würde. Dann wären die Ergebnisse wieder ebenbürtig, nach dem Motto „Gleichgewicht des Schreckens“.

Das Konzept der Liebe und das Konzept der Angst

Wenn wir mit Menschen umgehen, dann können wir zwei Konzepte anwenden. Das Konzept der Liebe oder das Konzept der Angst.

Das Konzept der Angst wird vor allem von Menschen gelebt, welche eine Kontroll-Illusion haben. Sie haben das Gefühl, dass sie die Umwelt und alles was rundherum geschieht kontrollieren können. Damit einhergehend möchten sie auch die Verantwortung dafür übernehmen, was in ihren Augen gut oder schief läuft. Sie greifen stark ein und gestalten über die Grenzen hinaus. Wenn etwas nicht so geht, wie sie es sich vorstellen, so strengen sie sich noch mehr an, um zu kontrollieren. Sie haben selber Angst, sie verbreiten aber auch Angst. Man kann sich bei ihnen sicher fühlen, doch die Kontroll-Illusion ist eben eine Illusion und keine echte Fähigkeit. Das Konzept der Angst scheitert an sich selber – wir haben die Wahl, ob wir das anwenden wollen. Es braucht viel Energie, funktioniert schlecht, es verbreitet Angst und schlechte Stimmung und dreht sich im Kreis. Das Konzept der Angst arbeitet mit Erwartungen. Der beste Freund der Erwartung ist die Enttäuschung. Auf der Suche, was man nächstes Mal besser machen kann, wird wieder an der Fähigkeit geschraubt, es werden neue Erwartungen geschürt… ein ewiger Teufelskreis kommt in Gang und die Umgebung wird immer giftiger.

Das Konzept der Liebe geht genau andersrum. Hier respektiere ich, dass das was gestern war, Geschichte ist. Was morgen sein wird sind Gerüchte. Das einzige was zählt ist die Gegenwart. Wenn ich mich nicht als übergeordnet ansehe, dann begegne ich der Natur, der Umwelt und den Mitmenschen mit Respekt und Demut. Ich liebe die Menschen genau so wie sie sind. Ich weiss, dass alles was geschieht nicht gegen mich gerichtet ist. Sondern es passiert, weil es passiert. Es gibt keine Zufälle. Es gibt keine schlechten Nachrichten – nur Nachrichten. Ich akzeptiere alles und bleibe nicht gleichgültig – sondern ich versuche das Beste daraus zu machen. Ich unterstütze einen Menschen, der meine Hilfe braucht, fülle mein Werk mit Passion und Hingabe. Tue das, was ich tue, weil ich es tun will – nicht weil ich es tun muss. Ich akzeptiere, dass wenn ich eine Feige pflanze, daraus ein Feigenbaum entsteht. Egal, was ich tue, er wird nie Äpfel oder Birnen tragen. Es ist keine Frage der Energie, die ich einsetze. Ich kann es einfach nicht kontrollieren – es passiert, was will, und das ist auch gut so. Man muss an sich glauben, die Stimme, die einem behindert ausschalten und probieren, die wahre Liebe und Hingabe für den Moment zu entfalten. Wenn ich mit einem Menschen spreche, dann ist das das wichtigste, was im Moment ist! Ich gebe mich ihm hin. Multitasking war gestern – heute ist Singletasking in!

Ich akzeptiere, dass ein Grashalm nicht schneller wächst, wenn ich daran ziehe. Ich verstehe, dass wenn ich etwas pflanze, ich den Sämling nicht jeden Tag herausziehen kann, um zu sehen, wie weit er gewachsen ist. Damit zerstöre ich genau das Wachstum, das ich optimieren möchte. Ich bin nicht ein Gott, auch nicht ein Knecht. Sondern ich bin ein Mensch, umgeben von anderen Menschen. Ich brauche mich nicht unterzuordnen, aber auch nicht überzuordnen. Wenn ich vorangehe, dann mache ich das mit Liebe, Respekt und Geduld.

Ich werde nicht, sondern ich bin. Indem die Zeit aus unendlich kleinen Momenten der Gegenwart entsteht, verstehe ich, dass ich die Gegenwart beeinflussen muss, um die Geschichte zu schreiben. Wer bin ich? Eine unverzerrte Ansicht ist unabdingbar um zu verstehen, wer man ist und was man macht. Ich kenne meine Möglichkeiten, ich weiss, was ich gut kann und was weniger. Ich verstehe, dass die wahre Bereicherung die intensiven Beziehungen mit meinen Mitmenschen sind. Ich brauche nicht mehr an Masse, sondern ich brauche tiefere Freundschaften. Ich kann Liebe verschenken, ohne ärmer zu werden. Konsum gehört eher zum Konzept der Angst: Ich brauche einen gewissen Gegenstand um geliebt und akzeptiert zu werden. Ich brauche Ferien in der Ferne, um mir selber zu entfliehen. Und weil diese Art von Konsum nie Zufriedenheit bringt, versuchen die Menschen den Konsum zu erhöhen. Nach dem Motto: Als wir das Ziel aus den Augen verloren, verdoppelten wir die Anstrengungen.

Wenn wir viel mit dem Konzept der Liebe zu den Menschen und zu sich selber arbeiten, dann erreichen wir eine neue Stufe der Freiheit. Bei der Liebe zu sich selber ist nicht die Selbstverliebtheit, die Eitelkeit gemeint. Sondern das Vertrauen in sich selber, in die Instinkte. Wenn wir ohne Angst leben, dann sind wir nur schwer beeinflussbar. Wir sind frei, denn wir wissen, uns kann nichts passieren! Wir können verstehen, dass Angriffe nur ganz selten uns selber gelten; sie gelten nur unserem Abbild. Wenn wir das verstehen, dann können wir auch besser mit verbalen Attacken, Anschuldigungen und Vorwürfen umgehen. Jeder Mensch ist ein Multitalent und hochintelligent. Nur weil wir die Fähigkeiten und Interessen bewerten, entstehen „intelligente“ und „dumme“ Menschen. Sie sind nicht von Natur aus so – wir machen sie zu dem!

Wenn wir eine Arbeit tun, dann können wir in einen „Flow“-Zustand hereinkommen, wobei die Zeit ausgeblendet wird. Der Kampfsportler nennt diesen Zustand „Mushin“ oder „Mushin no shin“, ein offener Geist, der von Gefühlen und Gedanken befreit ist. So vertraut der Budoka eher seiner Intuition, als dass sich überlegt, was sein Gegner als nächstes tun könnte. Es ist wie routiniertes Fahrrad-fahren – ich muss auch nicht mehr denken, ob ich links oder rechts lenken muss, um das Gleichgewicht zu halten. Der Geist arbeitet in diesem „Flow“ sehr schnell, jedoch ohne bestimmte Ziele und Absichten. Wut und Ängste behindern den Budoka nicht, das „Ich-Gefühl“ verschwindet. Es ist ein Bewusstsein ohne Bewusstsein. Wichtig zu verstehen ist: Man muss als Budoka die Bewegungen zig tausend Mal gemacht haben, um diesen Geistes-Zustand zu erreichen. Uns so muss ich auch meine Werke routiniert machen können, um in den Flow zu kommen. Wahre Meisterschaft! Wenn ich das Konzept der Liebe oft übe, dann erreiche ich auch hier ein Bewusstsein ohne Bewusstsein. Wenn ich einen Raum betrete, so kann er sich mit positiver Energie füllen, die unsere Mitmenschen spüren.

Ein erfahrener Mensch hat ein offenes Herz, wenig Vorurteile dafür echtes Interesse. Er kennt die Essenz des Lebens: die Liebe und Hingabe. Und anerkennt, dass die Zeit vergänglich ist und dass Zeitverschwendung noch schlimmer als Geldverschwendung ist: Verlorene Zeit ist unwiederbringlich verloren!

Angst ist ein gutes Konzept – denn es ist eine nötige Bremse, die uns mit dem Privileg des freien Willens mitgegeben wurde. Ein Hund springt nicht in einen Abgrund. Er hat einen Reflex, einen Instinkt, aber keinen freien Willen. Wenn wir uns überlegen, ob wir in den Abgrund springen wollen, dann schützt uns die Angst vor Verletzungen. Und genau dieser Aspekt der Angst ermöglicht uns erst ein langes Leben! Stellen Sie sich vor, wenn wir ohne Angst über eine rote Ampel fahren würden… Hier macht die Angst Sinn! Die Angst und die Sorgen um unsere nicht-lebenswichtigen Probleme können wir jedoch getrost abschütteln und sie mit Liebe und Gelassenheit ersetzen. Durch guten Mut und einem gesunden Selbstvertrauen lassen wir uns nicht irre machen!

Wenn man segelt, dann kann man bildlich das Konzept der Angst und das Konzept der Liebe verstehen: Ich habe die Demut und den Repekt vor dem Wasser und weiss, dass ein Suppenlöffel Wasser in der Lunge tödlich ist. Somit sind die Quadratkilometer voller Wasser eine enorme Bedrohung für das Leben von meiner Crew und mir. Ich habe ein Boot, eine Crew, meine Kenntnisse, meine Erfahrung, meine Analysen. Den Mushin-Zustand erreiche ich hinter dem Steuer, wo ich nicht aktiv überlegen muss, was zu tun ist. Ich spüre den Wind, die Wellen, die Kräfte, mein Boot, meine Crew. Ich habe eine Orientierung, weiss aber genau, dass der Moment zählt und nicht die Geschichte oder die Zukunft. Die Liebe zum Leben und zu meiner Crew machen, dass die Reise und das Schiff untergeordnet sind. Ich weiss, dass ich niemandem etwas beweisen muss – und so verschwinden verschiedene Risiken. Ich steuere einen anderen Hafen an, als ich geplant habe, wenn es sein muss. Ich steige ohne mit den Wimpern zu zucken in die Rettungsinsel. Ich setze einen Notruf rechtzeitig ab. Wenn das hier und jetzt entscheidet, dann halte ich nicht den Kurs, den ich in der Vergangenheit gesetzt habe. Das wäre töricht und unklug, denn die Gegenwart wird nicht gnädiger zu mir sein, nur weil ich in der Vergangenheit eine andere Einschätzung gemacht habe. Ich akzeptiere das Konzept der „Sunk costs“, was ich gestern investiert habe, ist heute wertlos, denn es zählt die Gegenwart. Die Karten werden immer wieder neu gemischt. Sobald ich das Gefühl habe, eine Situation kontrollieren zu können, verengt sich mein Blick und ich mache den nächsten Fehler. Resilienz als die Fähigkeit, negative Gemütszustände möglichst schnell zu überwinden, runden die Fähigkeiten ab. Die Liebe und Hingabe zum Meer und zum Segeln machen also von selber, dass die Risiken kleiner werden und die Reise schöner wird!

Wenn wir also mit dem Konzept der Liebe arbeiten, uns und unseren Intuitionen vertrauen, die Kunst des klaren Denkens verstehen, so können wir die Angst überwinden und die Welt zu dem Ort machen, an dem wir selber leben wollen.