Archiv der Kategorie: Allgemein

Du hast das Glück in Deiner Hand – Handbuch der Bewertung

Handbuch der Bewertung

Dies ist der Titel eines Buches, welches in meiner Gilde als Standardwerk gehandhabt wird. Es soll einen helfen zu entscheiden, ob man ein Projekt durchführen soll, ob sich eine Investition lohnt und wie man die Preise sinnvoll berechnen soll. Für Ökonomen ein perfektes und sinnvolles Werk, um damit gute Entscheidungen zu treffen. Doch wie bewertet man immaterielle Güter? Ich meine damit nicht Patente und Goodwill – sondern die Sachen, die rund um uns herum passieren. Hier gibt es auch ein Handbuch, das ich empfehlen kann, nämlich das Buch vom geglücktes Leben von Epiktet. Als einer der wichtigsten Vordenker der Stoa, einer antiken Griechischen Denkschule und Philosophie, hat er sich genau mit dem Thema Bewertungen auseinandergesetzt und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen.

Wie wir bewerten

Wir haben den Hang dazu, Sachen in unserem Leben extrem kurzfristig und kleinräumig zu bewerten und uns dann genau auf das einzustellen und zu reagieren. Was in der Menschheitsgeschichte früher das Überleben sicherte, wird mehr und mehr zum Treiber, der die Menschen ins Unglück führt. Lassen Sie mich ein Beispiel machen. Wenn wir früher in der Savanne plötzlich von einem Löwen überfallen wurden, musste man die ganze Aufmerksamkeit und den Körper auf den Kampf fokussieren um zu überleben. Die gelassenen Menschen sind damals aus dem Genpool verschwunden. Überlebt haben die, die gekämpft haben – und von diesen stammen wir ab.

Über die Stoa

In der Stoa geht man davon aus, dass man in seinem Leben nur Dinge beeinflussen kann, die den eigenen Charakter betreffen. Das sind beispielsweise die eigenen Gefühle und Emotionen, die Bewertung der Dinge, und das eigene Denken. Was wir nicht kontrollieren können, darüber regen wir uns nicht auf, weil wir es nicht ändern können. Nicht einmal eine Krankheit kann uns aus der Ruhe bringen, denn wir können den Körper auf dieser Ebene nicht beeinflussen. Es folgt alles Naturgesetzen, die zu hoch sind, als dass wir Menschen es verstehen könnten.

Wir haben das Glück in unserer Hand

Wenn wir also aufhören, alles permanent um uns herum zu bewerten, dann werden wir glücklicher, denn wir haben das Glück in der Hand! Wenn wir jedem Hund in unserem Leben Steine nachwerfen nur weil er bellt, dann werden wir nie weiterkommen und verbleiben auf einer niedrigen Bewusstseinsebene. Wir brauchen einen inneren Kompass, der uns auf dem richtigen Weg hält. Wir sollten lernen, das Leben als Ganzes zu bewerten und uns um unsere Mitmenschen zu kümmern – donner c‘est reçevoir. Geld hat Flügel, so wie die Gesundheit. Was bleibt ist ein anständiger, vorbildlicher Charakter, an dem wir jeden Tag weiter arbeiten, so wie Michelangelo seine Figuren aus einem Marmorblock geschlagen hat. Genau hier können wir wichtiges lernen: die Figur im Marmorblock war immer vorhanden, man müsste sie nur zum Vorschein bringen! Es geht darum, neue Fähigkeiten dazuzulernen und überflüssiges wegzulassen. So entsteht ein schöner Charakter: Stabil, seelenruhig, warm und menschlich. Wenn wir glücklich sind, so strahlen wir das auf unsere Mitmenschen aus und nehmen sie ein mit. Und machen uns so selber glücklich – und die Welt zu einem schöneren Ort!

Die Energie folgt Deiner Aufmerksamkeit!

Unser Gehirn aufmerksam steuern

In unserem Schädel, gut geschützt vor der Aussenwelt, liegt unser Gehirn. Es ist eingesperrt und hat nur Verbindungen zu unseren Sinnen und Muskeln und ist ein Super-Computer, der jeden Tag neue Verbindungen (Synapsen) bildet, und die alten wieder auflöst. Die meisten Menschen denken nicht darüber nach, was und und wie sie denken. Nachdenken über das Denken wirkt ja im ersten Moment auch komisch. Und doch liegt hier der Schlüssel zu unserem „Bios“ und „Betriebssystem“. Es geht darum, das Gehirn nicht in einer Art Autopilot laufen zu lassen, sondern es aufmerksam zu steuern, zu beeinflussen und schlussendlich zu formen.

Die logische Kette

Was allgemein vielleicht bekannt ist:
1. Gedanken werden zu Worten
2. Worte werden zu Taten
3. Taten werden zur Gewohnheit
4. Gewohnheit wird zum Charakter

Doch wie kommen die Gedanken zustande? Ist unser Gehirn ein Biotop, wo einfach allerlei Gedanken einfach aufleuchten – unbeeinflussbar, zufällig und unspezifisch?

Unser Betriebssystem

Unser Gehirn wurde geschult und gebildet durch unsere Erfahrungen und Lernvorgänge. Wir haben als Kinder gelernt zu gehen. Wenn wir gehen wollen, dann ist das heute automatisiert. Wieder „denken“ müssen wir, wenn wir eine komplexe Judotechnik erlernen. Genauso ist es mit unserer Gedankenwelt. Wir sehen die Welt abhängig von unseren Erfahrungen und unserem Hormonstadium. Die Philosophie ist – wie eine komplexe Judotechnik – dafür da, dass wir unser Gehirn aus dem Autopilot-Modus nehmen und wir uns fragen: Warum denken wir so wie wir denken und wie können wir das positiv beeinflussen? Denken ist das Betriebssystem unseres Körpers und wenn wir Veränderungen vornehmen wollen, dann ist es logisch und zielführend genau hier anzusetzen!

Unser Betriebssystem steuern

Wenn wir also uns bewusst werden, dass die Erfahrungen ein grosser Teil unseres Lernprozesses und unseres „Ichs“ ausmachen, dann müssen wir dafür besorgt sein, dass wir gute Erfahrungen machen. Erfahrungen sind nicht unbedingt gut oder schlecht, sondern immer eine Frage, wie man sie bewertet. Sieht man ein Hinfallen als einen normalen Teil des Lebens, einen Teil eines Lernprozesses oder als Bestätigung für seine eigene Unfähigkeit? Es liegt in unserer – und nur in unserer – Hand, damit umzugehen und es richtig und gesund zu bewerten. Und ob wir dann weiterkommen, oder in einem Meer von Selbstmitleid versinken.

Aufmerksamkeit steuern

Wenn wir uns also bewusst werden, dass unsere Energie der Aufmerksamkeit folgt, dann gilt es, die Aufmerksamkeit zu steuern. Lesen wir ein Boulevardblatt und sehen uns einen dummen Film an, dann wird auch unser Gehirn diese Art von Werthaltung übernehmen und es zu einem Teil unseres Wertesystems machen. Wenn wir uns aber unseren Mitmenschen zuwenden, etwas schönes Schaffen oder über philosophische Themen nachdenken, dann folgt die Energie dieser Aufmerksamkeit und schlussendlich wird auch unser Charakter davon profitieren. Es ist eine Art Karussell, denn alles hängt mit allem zusammen. Es ist nur für die meisten Menschen ein Rätsel, wo man aufsteigen kann, ohne heruntergeschleudert zu werden.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit

Und so empfehle ich Euch jeden Tag euch darauf zu konzentrieren, mit was Ihr Euch beschäftigten möchtet, damit Eure Energie richtig geleitet und zielgerichtet eingesetzt werden kann. Vielleicht ist es noch wichtiger, sich zu fragen mit was Ihr Euch NICHT beschäftigen möchtet. Denn egal, wie Ihr Euch entscheidet: Die Energie folgt Eurer Aufmerksamkeit. Entscheidet weise und Ihr werdet langfristig profitieren – und dabei glücklich werden!

Die Philosophie – Fitness für das Gehirn und den Geist!

Ich sehe viele Menschen, die Ihren Körper im Fitnessstudio stählen, ihre „Pumpe“ antreiben und versuchen, mehr Muskelfasern zu züchten und Fett zu verlieren. Und das ist auch gut so, denn der Mensch hat heute viel zu wenig Bewegung; der Fitnessraum kann helfen, den Kreislauf wieder in Gang zu bringen. Beim Körper ist es eine zum grossen Teil visuelle Sache: Ich sehe meinen Körper und gehe ihn dann ins Fitnesstudio optimieren. Doch wie ist es mit meinem Geist?

Unser Gehirn

Wir werden mit einem plastischen Gehirn geboren und bilden bis zum letzen Tag unseres Lebens neue Synapsen. Während der Körper ab ca. 20 Jahren verfällt, bleibt unser Gehirn sehr jung, wissbegierig, formbar und erneuerbar. Doch leider steckt unser Gehirn in unserem Schädel und wir sehen nicht auf einen Blick wie bei unserem Körper, ob er einem Ideal nahe kommt oder doch noch viel Potential in ihm steckt.

Die Philosophie – DAS Fitnesstudio!

Der Verdacht liegt nahe, dass in einer sich immer schneller drehenden Welt, wo alles immer mehr zerstückelt wird, unser Gehirn nicht in einem optimalen Zustand ist. Wenn wir davon ausgehen, dass wir geboren wurden – dann leben – und dann irgendwann alle sterben: Wie wichtig ist dann Black Friday, Cyber Monday, Sigles Day? Ich denke, dass Prozesse immer schneller werden, die Prozessionen jedoch bleiben langsam. Ich meine nicht die Prozession im religiösen Sinne, ich meine die Kunst des klaren Denkens. Die Fähigkeit, Fragmente zu einem Bild zusammenzusetzen, zu hinterfragen, zu besprechen, sich eine Meinung zu bilden und danach zu handeln. Ein langsamer, mühsamer, konfliktreicher, unharmonischer Weg, um dann eine Erkenntnis zu gewinnen, Werte zu schaffen und danach zu leben. Doch was ist der Unterschied zum Fitnessstudio? Auch hier schwitzen die Leute und machen ihre Übungen mit teils schmerzverzerrten Gesichtern – soll mir niemand erzählen, dass sie sich wohler fühlen, als wenn Sie zuhause auf der Couch zu liegen, oder? Und doch sieht man wenige Leute, die sich auch mit ihrem Geist so beschäftigen, ihn „challengen“, neue Übungen machen, wiederholen, Erkenntnisse gewinnen und danach ein „stählernes Gehirn“, einen „klaren Geist“ und ein „gutes Herz“ haben.

Zum neuen Jahr

Vielleicht ist das Fitnessabo nach der Zeit der Kalorien-Schlacht eine gute Antwort. Aber vielleicht ist es noch wichtiger, den Geist in Schuss zu halten und in die Welt der Philosophie abzutauchen und sich Gedanken über Physik, Ethik, Logik und so weiter
zu machen. Vielleicht lohnt es sich, sich auf den Weg zu machen um „Ataraxie“, die Eigenschaft nicht mehr durchgeschüttelt werden zu können, zu erlernen (Stoiker), bei den Epikuräern die Kunst des Genusses (nicht des „Konsums“ im heutigen Sinn) zu erlernen. Vielleicht hat Platons Höhlengleichnis mehr mit uns zu tun, als wir glauben. Vielleicht helfen Platons Gespräche mit Sokrates, um den Geist zu erweitern. Was ist mit Marc Aurel und Seneca? Was ist mit Kant?

Philosophie ist nicht veraltet!

Philosophie ist weder veraltet noch langweilig. Sie hilft uns, die Welt zu begreifen, Gegebenheiten einzuordnen, das Glück zu finden (Hinweis: Es ist bereits in uns!), ruhiger zu werden, präziser zu formulieren und Sachen in einen grossen Zusammenhang zu stellen. Philosophie macht uns menschlicher und empathischer – jeder denkende Mensch ist ein Geschenk für seine Umwelt. Es bleibt ein Herzenswunsch. Zur Philosophie kommt man in drei Schritten: 1. Die Einstellung dazu ändern, 2. Single-Tasking-Modus wieder erlernen (nur eine Sache machen, dafür länger dranbleiben wie z.B. mit Büchern, Vorträgen usw.) und 3. Ein Buch kaufen und den Einstieg finden. Nur um etwas vorzugreifen: Ist es nicht erstaunlich, dass der Buddhismus und die Stoiker zum Thema Glück fast die gleichen Rezepte empfehlen – dabei gab es keinen Austausch der Kulturen und die Ideen sind schon über 2’000 Jahre alt! Da machten sich 20’000km voneinander entfernt die gescheitesten Leute ihrer Zeit Gedanken und kamen auf die gleichen Erkenntnisse. Sollte man dem Beachtung schenken oder ist das alle Humbug? Urteilt selber!

Ein kleines Konzept für auf den Weg

Aus einem Vortrag von Dieter Lange möchte ich Euch ein Konzept vorstellen, welches mich bis heute begleitet. Es geht um die sechs Stufen des Menschen, die er erreichen kann.

  1. Bedürfnis nach Sicherheit: Jeder Mensch sehnt sich nach Sicherheit. Ein Dach über dem Kopf, eine Heizung, etwas zu Essen, Nächstenliebe. Zum Glück ist das in unserer Welt einfach so „gegeben“.
  2. Bedürfnis nach Unsicherheit: Die Welt würde langweilig, wenn wir uns nur in den guten Tagen bewegen würden. Schon Johann Wolfgang von Goethe meinte: „Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen!“. So sehnen wir uns also nach „kontrollierter“ Unsicherheiten in Skifahren, im Europapark, im Aquapark, beim Trampolinspringen, Fliegen, Fallschirmspringen, Gokart-Fahren. Alles das würden wir nicht tun, wenn unser Bedürfnis nach Sicherheit grösser wäre.
  3. Bedürfnis nach Signifikanz: Wir wollen anders, besser sein als die andren. Darum kaufen wir uns mit Geld, was wir nicht haben, Sachen, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen. Und hier entfaltet der Kommerz-Gedanke seine volle Wirkung: Wir sehen uns nach mehr, um dem Schein des Glücks näher zu kommen. Noch eine Handtasche, ein schnelles Auto. Es geht darum, wichtig zu sein! Wobei etymologisch das Wort „wichtig“ vom Wort „Wicht“ abstammt…

Bei diesen ersten drei Stufen lautet das Mantra „Mehr ist besser“ (cartesianisches Gesetz). Der Treiber dieses Ego-Trips ist Angst. Angst, keine Sicherheit zu haben. Angst, ein langweiliges Leben zu haben. Angst, nichts zu zählen. Um die nächsten Stufen zu erreichen, braucht es eine Transformation, wobei man die Taktik ändern muss. Denn was uns geholfen hat, die ersten drei Stufen zu erklimmen, hilft uns nicht weiter. Ähnlich einem guten Wanderer, der die Meeresküste erreicht: um weiterzukommen braucht es nicht bessere Schuhe, sondern ein Schiff! Goethe meint dazu: Solange eine Reise nach aussen nicht auch eine Reise nach innen wird, ist der Durst nie gestillt!

  1. Inneres Wachstum: Sobald Du begriffen hast, dass es in Dir weiter gehen muss, um eine weitere Stufe zu erreichen, arbeitest Du an Dir selber. Die Philosophie ist der Schlüssel dazu! Und wenn Du viele Erkenntnisse gemacht hast und Dir bewusst wirst, um was es geht, dann erreichst Du die nächste Stufe.
  2. Tribut zollen: Hier kommt die Erkenntnis, das Geben seliger ist nehmen. Was nützt es mir, wenn ich die Welt gewinne, doch meine Seele schaden nimmt? Hier erkenne ich, dass das Glück im Geben, im Teilen liegt.
  3. Mensch sein: Das ist die letzte Stufe, die ich erreichen kann. Wenn ich Mensch bin, weis ich warum ich in welcher Funktion arbeite. Die Antwort nach der Frage warum Du in welchem Beruf arbeitest, müsste von hier kommen! Auf dieser Stufe erkennt man, dass der Weg das Ziel ist. Der Weg ist wichtig – nicht das Ziel! Und wenn wir in unserer Aufgabe aufgehen, in einen Flow kommen, dann haben wir richtig gewählt. Die Freude liegt im Tun – denn niemand fährt Ski, um wieder am Lift anstehen zu müssen.

Bei den letzten Drei Stufen ist nicht Angst der Treiber, sondern Liebe. Es ist kein Ego-Trip mehr sondern eine Selbstverwirklichung Die Dominanz des Egos muss zuerst zurücktreten, damit Du überhaupt sein kannst! Es geht nicht um Haben oder Tun – es geht um Sein! Es geht (wieder) um Mensch-Sein!

„Gnothi Seautón“ – „Erkenne dich selbst“

Steht auf dem Tempel des Apollon in Delphi. Und dazu ein Imperativ: „und werde, der Du bist!“. Es geht also darum, und hier hilft die Philosophie, sich selbst zu erkennen und dann zu dem zu werden, was man ist. Man kann einen Feigenbaum nicht dazu zwingen, Äpfel zu tragen. Man muss genau wissen, nach was man strebt. Man muss jeden Tag eine bessere Version von sich selber werden. Man muss sich selber lieben und schätzen, mit all seinen Fehlern, und darauf seine Persönlichkeit aufbauen. Es geht nicht um Dich als Person, den Persona heisst übersetzt „Maske“. Es geht um Dein wirkliches „Ich“. Sich selbst erkennen und dann zu sich selbst werden – eine ungeheuerliche Aufgabe in einer Zeit der nur guten Selbstdarstellung in den Sozialen Medien!

Ziele vs. Weg

Ich habe nichts gegen Ziele, denn sie setzen eine Handlung in Gang. Aber die Freude entsteht auf dem Weg, und nicht im Erreichen des Ziels. Wenn ich eine Woche segeln gehe, dann ist mein Ziel meist der Ausgangshafen. Wie würde meine Crew reagieren, wenn ich ihr mitteilen würde, dass wir schon – bevor wir aufs Schiff steigen – unser Ziel erreicht haben? Würden wir im Hafen bleiben – oder liegt der Sinn und die Freude auf dem Weg, begleitet von Delphinen, Stürmen, Schlafmangel, Seekrankheit, Sonnenbränden, blauen Flecken usw.? Warum jagen wir immer den Zielen hinterher, als uns auf den Weg zu konzentrieren? Leben ist dort, wo Du noch nie warst. Alles andere ist Wiederholung! Nur Tote haben ein stabiles und unveränderbares Umfeld – was lebt, hat mit Überraschungen zu tun! Mit Fehlern mit Tränen – mit Erkenntnissen, wobei wir stärker werden. Wenn ich die Ziele in meinem Leben als Kapitel ansehe: Wie heisst der Titel meines Buches? Worum sollte es in meinem Leben eigentlich gehen?

Die Odyssee

Ein wunderbares Buch von Homer! Odysseus gewinnt den Trojanischen Krieg und macht sich auf den Weg nach Ithaka. Wäre er auf dem direkten Weg dorthin gesegelt, dann hätte es sicher kein Buch darüber gegeben. Konstantin Kavafis bringt es in seinem wunderbaren Gedicht „Ithaka“ auf den Punkt:

Wenn du zu Fahrt aufbrichst nach Ithaka.
So bete, dass ein weiter Weg es werde.
Voller Umschwünge, voller Einsichten.
Die Laistrygonen oder die Kyklopen,
Den zornigen Poseidon fürchte nicht,
Dergleichen triffst du nie auf deinem Weg,
solang dein Denken hoch bleibt und erlesene
Erregung dir an Geist und Körper rührt.
Den Laistrygonen oder den Kyklopen,
Dem wütigen Poseidon wirst du nicht begegnen,
Wenn deine Seele nicht vor dich stellt.

So bete, dass ein weiter Weg es werde.
Mögen der Sommermorgen viele sein,
Wo du – oh wie mit Dank, oh wie mit Freude!
Einfährst in Häfen, die du siehst zum ersten Mal.
Mögest du halten an den Handelsplätzen
Phönikiens und die schöne Ware kaufen:
Perlmutter und Korallen, Ebenholz und Amber
Und jeder Art erregende Duftflüssigkeit.
Mögest du gehen in viele Städte nach Ägyptenland,
Damit du lernst – und lernst von Eingeweihten.

Behalte stets Ithaka in deinem Geist.
Die Ankunft dort ist deine Vorbestimmung.
Doch haste mit der Reise nimmermehr.
Besser, sie daure vieler Jahre Lauf,
Und auf der Insel ankerst du als Greis,
An allem reich, was auf dem Wege du erwarbst,
Niemals erwartend, dass dir Reichtum schenkte Ithaka.
Ithaka schenkt dir die schöne Reise.
Zu ihm allein bist du hinausgefahren.
Verlange andre Gaben nicht von ihm.

Findest du’s arm, Ithaka trog dich nicht,
So weise, wie du wurdest, so erfahren,
Erkanntest du nun wohl, was Inseln Ithaka bedeuten.

Erfolg: eine Definition

Der Sinn und Zweck jedes Erfolges ist daran selbst zu wachsen und den Menschen etwas zu geben (Stufen 5 & 6). Es geht darum, an seinen Aufgaben zu Wachsen und einen Beitrag in eine Welt zu geben, in der wir leben. Ich wünsche Euch in diesem Sinne ein erfolgreiches 2019 und viele spannende Momente auf Eurem Wege!

Quäle Deinen Körper – sonst quält er Dich!

Vielleicht ist der Titel etwas krass gewählt – und dennoch soll er aufzeigen, um was es wirklich geht.

Wenn wir unser Leben in drei Teile splitten, so können wir drei Teile nehmen: Zeit – Geld – Gesundheit.

In der Kindheit haben wir viel Zeit und Gesundheit – aber wenig Geld. Wir verbringen unsere Zeit mit Essen, Schlafen und dem Entdecken der Welt.

Später dann kommen wir ins Arbeitsleben und gründen vielleicht eine Familie. Der Reichtum steigt: wir haben Geld und Gesundheit, aber keine Zeit.

Im letzten Lebensabschnitt – wenn wir ihn denn erreichen – haben wir viel Zeit und Geld, aber keine Gesundheit mehr. Viel schlimmer noch: wir geben unser überschüssiges Geld aus, um die verlorene Gesundheit mühsam und qualvoll wieder einigermassen herzustellen.

Obwohl wir also alle drei Aspekte im Leben jederzeit im Blick haben müssten, vernachlässigen wir den wichtigsten – die Gesundheit – am meisten.

Was ist die Lösung? Nach dem Motto „Pan metron ariston“ gibt es für alles das richtige Mass. Es scheint unklug, im Arbeitsleben nicht zu seinem Körper zu schauen und auf Raubbau zu gehen. Darum sollte man den Körper – und den Geist – regelmässig trainieren und in „quälen“. Den Körper mit anstrengendem Training und den Geist mit der Kunst des klaren Denkens: wo will ich hin, was muss ich tun?

Darum ist es wichtig, zwischendurch inne zu halten, eine klare Standortbestimmung zu machen, den richtigen Weg einzuschlagen und dranzubleiben. So haben wir im Erwerbsleben mehr Zeit und Gesundheit, und im Alter mehr Gesundheit – und Lebenszeit!

Über die Flexibilität der Gefühle

Wir leben in einer Welt, in der nur die guten Gefühle etwas zählen. So sagt man immer: Schau es von der schönen Seite an, es hat sicher eine gute Facette. Wir wissen, dass eine Depression eine gute Sache ist und hangeln uns von einen positiven Gefühl zum nächsten. Bei den schlechten Gefühlen blockieren wir, denn warum sind sie da, wenn man sie doch nicht haben will? Woher kommen sie und was bitte soll ich damit tun?

Viele Menschen unterdrücken, negieren oder verdrängen ungute und negative Gefühle. Vielleicht weil sie Schmerz erzeugen, vielleicht aber auch weil es Kraft brauchen würde, die Probleme zu lösen. Und so schieben wir sie vielleicht vor uns her, bis sie in einer Form explodieren: sei es als psychische oder als körperliche Erkrankung psychosomatischer Art.

Keine schlechten Gefühle haben wollen, überall akzeptiert sein und alles richtig machen wollen sind die Ziele der Toten. Lebende Menschen können sich diese Ziele nicht setzen, da sie unrealistisch und schädlich sind.

Wenn wir also das nächste Mal in unserem Leben ein schwieriges Gefühl in uns spüren, so müssen wir es annehmen. Wir sagen nicht „ich bin traurig“ sondern „ich fühle Traurigkeit“. So separieren wir uns vom Gefühl und lernen es anzunehmen. Dann gilt es, in den Schmerz hineinzuarbeiten und ihn zu überwinden – ihn zu verdrängen macht ihn nur grösser!

Unterschiedliche Gefühle sind der Preis des Lebenswegs, den wir gehen. Gefühle sind eben unterschiedlich und die schlechten Gefühle sind vielleicht die, die uns helfen, wieder auf einen guten Weg zu kommen. Nehmen wir alle Gefühle als Chance, zu einem reifen Menschen zu werden!

Die Würde des Menschen ist unantastbar!

In einer Diskussion zählen die Argumente und die harten Fakten, so denkt man. Man kann nur gewinnen, indem man den anderen überzeugt und gleich noch ein paar Ratschläge mit auf den Weg gibt. Der andere soll dann gefälligst dankbar sein und erkennen, dass er auf dem falschen Weg ist.

Was vielleicht funktionieren würde
Altkluge Menschen haben in dieser Welt einen schweren Stand. Sie haben zwar vielleicht recht, erhalten aber selten Anerkennung oder gar ein Dankeschön. An was liegt es? Bei der Kommunikation zählen nicht nur die harten Fakten. Was viel mehr zählt, ist die Art und Weise, wie man kommuniziert. Man ist so in seiner Insel und zeigt auf den anderen in seiner Insel, und stellt fest, dass er nicht so denkt wie ich. Die Kunst der Kommunikation besteht aus der Kunst, Brücken zu bauen. Man muss den Menschen, seine Motivation und seine Werte verstehen, um sich dann erfolgreich austauschen zu können!

Die Würde
Damit eine Kummunikation gelingen kann, müssen wir die Würde unseres Gegenübers immer anerkennen und respektieren. Es geht nicht darum, mit allem einverstanden zu sein, was er macht. Es geht darum, anzuerkennen, dass er als Wesen Respekt verdient hat, und keine „Vorleistungen“ erbringen muss. Es geht darum, dass ich als Mensch anerkenne, dass meine Daseinsberechtigung mindestens so hoch ist, wie die meines Gegenübers. Die Würde ist unantastbar!

Rezept
Wenn wir uns das genau überlegen, dann kommen wir zum Schluss, dass kein Mensch Unsinn erzählt. Vielleicht mag es in unserer Welt keinen Sinn machen – aber in seiner Welt, da macht es Sinn. Wer gibt uns das Recht, zu denken, dass wir mehr recht dazu haben, recht zu haben? Niemand. Vielleicht hat mein Gegenüber einen Aspekt nicht gesehen – oder ich. Vielleicht ist mein Gegenüber anders programmiert – oder ich. Alles was für den anderen gilt, gilt auch für mich. Und wenn ich mir dessen bewusst bin, so kann ich mit meinem Gegenüber Gedanken entwickeln, Geschichten vervollständigen und zusammen die Welt erobern. Die Frage nach dem Rechthaben ist viel tiefer zu werten als die Tatsache, dass wir am meisten lernen, wenn meinem Partner seine Insel möglichst wenig Schnittmenge mit meiner eigenen hat.

Ein Gleichnis
Wenn sich eine Hirnzelle, eine Hautzelle und eine Herzzelle streiten, welche denn nun die beste sei und welche die beste Bauart habe, dann gibt es keine logische Antwort. Man kann aber beobachten, dass sie am richtigen Ort eingesetzt Wunder bewirken können – vor allem mit der Tatsache, das sie erfolgreich miteinander kommunizieren.

So wird auch unsere Kommunikation besser gelingen, wenn wir davon ausgehen, dass wir zwar physiologisch mit den Mitmenschen viele Gemeinsamkeiten haben, aber psychologisch und intellektuell ganz anders funktionieren können. Und das Anderssein ist die grosse Chance, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen oder gut zu lösen. Dabei bleibt die Würde des Menschen immer unantastbar!

Ich wünsche eine gute Weihnachtszeit und viele erbauliche Gespräche und Gedanken!

Action – die Welt der Probleme

Wenn man auf die Welt kommt, dann startet man mit Problemen. Man braucht eine ganze Kindheit jemanden, der einem hilft, weil man selbst nicht überlebensfähig ist. Wird man dann älter, dann kommen viele Probleme hinzu, Liebeskummer, Berufswahl, und mit einem Schlag, viel später im Leben, enden dann alle Probleme. Dann nämlich, wenn man stirbt.

Im Umkehrschluss – und diese Optik schätze ich mehr – bedeutet es, dass „Probleme haben“ mit „Leben“ gleichzusetzen ist. Will man sich allen Problemen entledigen, dann gibt es auch eine Abkürzung – doch diese möchte ich niemandem empfehlen.

Vielmehr empfehle ich die Probleme in einem etwas positiverem Licht zu sehen. Wenn wir ein Problem lösen können, dann haben wir etwas gelernt. Probleme lösen ist also eine spannende Sache – denn die Forschung besteht beispielsweise nur aus Problemen. Und kluge Menschen mit Erfahrung und einem scharfen Verstand können die Probleme lösen und so die ganze Menschheit weiterbringen.

Menschen haben einen inneren Antrieb, Probleme zu lösen. Und die Lösung eines Problems macht die Menschen glücklich. Das wiederum bedeutet, dass zu wenige Probleme die Menschen unglücklich machen, da sie träge werden und die Motivation und die Ziele verlieren.

Jeder Mensch hat eine andere Problemlösungs-Strategie. Darum erscheint es mir besonders wichtig, dass wir Menschen möglichst viel Zeit mit anderen Menschen verbringen, um von ihnen zu lernen. Kinder brauchen verschiedene Bezugspersonen, wo sie lernen und kopieren können. Kinder brauchen auch einen männlichen Mentor – die Welt der Kinder ist nämlich von Frauen geprägt. Kleinkindererzieherin, Mutter, Kindergärtnerin, Lehrerin und so weiter.

Wenn wir offen durch die Welt gehen wollen, dann ist es wichtig zu sehen, dass wir nur eine Optik haben und nur eine Grundstrategie haben, wie wir Probleme lösen. Viele Menschen haben ein egozentrisches Weltbild, was natürlich die ganze Problemlösung stark vereinfacht: Ich bin nie Schuld, wenn die anderen einfach so wären, wie ich sie haben möchte. Im Austausch mit anderen Menschen ist ein wahres Interesse nötig, um ihren Standpunkt zu verstehen und von ihnen zu lernen. Es ist unmöglich zu lernen, wenn wir das Gefühl haben, dass die anderen alles falsch machen.

Wenn jemand vor einem Problem steht, dann gibt es zwei Möglichkeiten, wie wir das tun können. Entweder wir tun das wie bei einem Säugling: Er schreit und wir geben ihm zu essen. Oder wir tun es, indem wir doch ein wenig Widerstand lassen, um dem anderen nachhaltig zu helfen. Wenn ich den Kindern bei der Mathematik helfe, dann habe ich genau diese zwei Möglichkeiten: Wenn ich das Lösungsheft kaufe und die Resultate daraus abschreibe, dann sind die Probleme sehr schnell gelöst. Jedoch nicht nachhaltig. Wenn ich dem Kind helfe und einen Lösungsweg erarbeite, dann lernt das Kind nachhaltig. Vielleicht kann ich dem Kind sogar helfen, einen eigenen Lösungsweg zu erarbeiten, das ihm besser liegt.

Die erste Form der Unterstützung – das „schenken“ der Lösung, hat einen Nachteil: Es macht abhängig. Genau so wie der Schüler ohne Ahnung vom Lösungsheft und von mir abhängig wird, kommt er in eine Blockade und das Selbstwertgefühl fällt. Somit scheint es mir viel nachhaltiger, den „Widerstand“ einzubauen und so damit zu werben, das Problem selber zu lösen. Das löst auch das Problem der Abhängigkeit, schafft Erfolgserlebnisse und hilft dem anderen, seine Fähigkeiten weiter auszubauen.

Wechselt man etwas die Optik, so können wir auch auf einer anderen Ebene Probleme lösen. Denn wenn man einen Pinguin an Land betrachtet, dann stellt man fest, wie arm dieser Kerl wohl ist. Der Hals ist kurz, die Beweglichkeit ähnelt einem Klavier und dann hat der liebe Gott auch noch die Knie vergessen. Wenn er dann ins Wasser springt, dann sieht man einen hervorragenden Schwimmer und Jäger, perfekt ans Element angepasst.

Wenn wir diesen Pinguin also in die Sahara setzen, dann wird er nur noch Probleme haben: Zu heiss, zu trocken, kein Fisch… doch ist es sein Problem, wenn es nicht klappt? Nein. Wichtig ist, dass wir Menschen uns auf einer Ebene bewegen, wo wir erfolgreich Probleme lösen können. Wenn wir also herausgefunden haben, was uns wirklich interessiert, und wo wir wirklich gut sind, dann sollten wir auf dieser Ebene Probleme lösen. Wenn wir also unseren Pinguin aus der Sahara zum Psychologen schicken würden, dann würde der Psychologe auch nicht helfen, dass der Pinguin einen längeren Hals und kräftigere Beine erhält. Vielmehr würde er ihn fragen: Wer bist Du, was kannst Du, was macht Dir Spass?

So muss der Fussballspieler nicht die gleichen Fähigkeiten wie ein Banquier haben, ein Pfarrer hat andere Skills als ein Notarzt, und ein Förster ist mit einem Bibliothekar auch nicht im selben Boot.

Wenn wir uns also auf einer Ebene bewegen, wo wir Probleme erfolgreich lösen können, werden wir erfolgreicher und glücklicher. Wenn wir aktzeptieren, dass wir nicht alle gleich sind und voneinander lernen können, dann gibt es keine Trennung mehr, unter den Menschen, sondern man versucht zu verbinden, um erfolgreich zu sein.

Wenn wir die Menschen und Kinder so nehmen wie sie sind, uns auf sie einlassen, dann haben wir ein entspannteres Leben und können viele neue Lichtblicke haben. Wenn wir Probleme als lebensnotwendig anerkennen, wie Essen und Schlafen, dann sind wir entspannter.

Es liegt an uns, ob wir Sklave oder freie Menschen sein möchten!

Probleme? Hurra, ich lebe!

Probleme habe
Viele Menschen sind negativ gegenüber Problemen eingestellt. Man will Problemen aus dem Wege gehen und den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Doch diese Erkentnis müssen wir nocheinmal logisch überdenken. Denn Probleme sind nicht negativ, sondern genau das Gegenteil: Positiv!

Alle Probleme gelöst? Akropolis – adieu!
Wenn wir am Morgen aufstehen, und Probleme haben, dann ist das ein positives Zeichen: Wir leben! Als Mensch gibt es wohl nur einen Status, bei dem wir alle Probleme als gelöst – oder zumindest als überflüssig – bezeichnen können: Wenn wir tot sind! Wenn wir also keine Probleme haben wollen, dann können wir das Leben einfach auch abkürzen, und die ganze Geschichte beenden. Was ich schade finden würde – denn Probleme machen unser Leben erst richtig aus!

Gehen lernen
Stellen wir uns ein Kleinkind vor, das versucht zu gehen. Es versucht über Tage und Wochen vom Krabbeln ins Gehen zu kommen. Es fällt immer wieder hin, tut sich weh, und doch macht es immer weiter, bis es dann schlussendlich stehen und gehen kann. Später kommt dann noch Springen, Radfahren, Judo, Balett, Tanzen und so weiter dazu. Das Leben ist also ein Prozess, bei dem man lernt, indem man Probleme überwindet.

Fehler
Der beste Freund des Problems ist der Fehler. Wenn wir also Probleme überwinden, dann machen wir unweigerlich Fehler. Und doch: Wenn wir keine Fehler machen wollen, dann lernen wir nichts dazu. Fehler machen ist also etwas positives – und soll nicht wie in der Schule bestraft oder schlecht benotet werden.

Widerstand
Wenn wir Widerstände überwinden, Probleme lösen, dann werden wir intelligenter und machen neue Synapsen in unserem Gehirn. Wir tendieren dazu, neue Widerstände zu suchen und zu überwinden. Das nennt man Lernprozess. Wenn man etwas ganz einfach lernt, so vergisst man es auch wieder schnell. Darum soll der Widerstand auch gross sein, um auch den Lernfortschritt zu vergrössern.

Helfen und Hilfestellung bieten
Wenn wir jemandem wirklich helfen wollen, dann sollten wir den Ansatz: „Hilfe zur Selbsthilfe“ anwenden. Wenn wir einem Kind bei der Mathematikaufgabe behilflich sein wollen, dann müssen wir dem Kind einen Lösungsweg aufzeigen und es dazu bringen, die Lösung selber zu erarbeiten. So wie man ein Kleinkind auch nicht nur herumtragen soll, wenn es schreit, sondern sanft die Hand geben soll, und eine Hilfestellung geben kann, damit es den Lernerfolg selber feiern kann.

Strategien um Probleme zu lösen
Als Kind soll man sich mit möglichst vielen Menschen umgeben und mit ihnen interagieren. So kann das Kind möglichst viele Problemlösungs-Strategien sehen und erkennen. Es kann das für sich selber richtige Muster kopieren und perfektionieren – ein lebenslanger Prozess! Als Erwachsener Mensch soll man versuchen, mit möglichst vielen „andersartigen“ Menschen zu kommunizieren und empathisch zu interagieren. Man soll versuchen zu verstehen, wie sie funktionieren. Und so können wir sehen, dass wir nur eine mögliche Lösung haben, um Probleme zu lösen. Vielleicht ist eine andere Strategie besser, und dann sollten wir uns diese aneignen. Als Nebeneffekt verstehen wir die Menschen auch besser. Verstehen heisst nicht einverstanden sein. Aber wahre Empathie ist eine wahre Kunst!

Probleme – let’s go!
Wer also wahre Stärke erreichen will, der nimmt Probleme und Widerstände als Hindernisse an, die überwunden werden müssen. Mit der zusätzlichen Kraft können wir anderen Menschen helfen, die vor einem Problem stehen und nicht weiterkommen. Wir können also der Menschheit dienen, indem wir Probleme lösen und helfen. Ist das nicht wunderschön?

Paradies
Viele Menschen glauben daran, dass wenn sie ins Paradies kommen, alle Probleme gelöst sind. Wie sieht es denn dort aus? Haben wir unendlich Zeit, wissen alles, trinken immer Kaffee und hören alle Lieblings-Musikstücke gleichzeitig? Haben wir alle schönen Seiten des Lebens im Überfluss? Ich denke, es ist wie beim Schwarzwäldertorte-Essen. Das erste Stück ist himmlisch, das zweite Stück ist auch noch gut, beim dritten Stück haben wir ein Völlegefühl und beim nächsten Stück wird es uns schlecht. Knappheit ist ein Zeichen von Qualität, Probleme sind ein Zeichen von Leben. Ein Paradies ohne Probleme kann für mich in der Logik nicht existieren.

Gedanken über das Denken

Viele Menschen gehen durch ihr Leben ohne sich viele Gedanken zu machen. Dennoch finde ich es schade, die Tage einfach so abzuspulen wie den Faden ab der Spindel. Denn irgendwann ist fertig – und so lange wir am Leben sind, tun wir gut dran, die Zeit achtsam zu verbringen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Verlies und einer Burg?
Bei beiden ist man in einem maximal geschützten Raum umgeben von Steinen, Mauern und Toren. Und doch gibt es zwei wesentliche Unterschiede. Im Verlies wird die Aussenwelt vor uns geschützt, währenddem wir uns in der Burg vor der Aussenwelt schützen. Doch das Wichtigste ist die Kontrolle: Im Verlies werden wir kontrolliert, währenddem in der Burg wir ein Gebiet kontrollieren.

Unser Gehirn
Unser Gehirn liegt eingesperrt in einem Kessel, Schädel genannt. Im Griechischen heisst das Gehirn Enkefalos – im Kopf. Es ist also eingesperrt in einem Schädel, schwimmt in einer Flüssigkeit und ist in der Finsternis. Doch ist unser Gehirn deswegen in einem Verlies? Mitnichten: Denn wir haben die Möglichkeit, Reize von aussen wahrzunehmen, diese zu verarbeiten daraus Handlungen vorzunehmen. Das Gehirn hat also die Funktion einer Burg, die den Körper kontrolliert.

Die Alterung
Unser Gehirn schliesst bis am letzten Tag unseres Daseins neue Synapsen und entwickelt sich immer weiter. Wir sind also nie der gleiche Mensch, der wir gestern waren. Währenddem unser Körper mit der Zeit langsam zerfällt, kommt unser Gehirn mit den Mankos relativ gut zurecht. Durch seine Plastizität kann es die Nachteile wieder ausgleichen. Schade ist, dass wir am Morgen jeweils in den Spiegel schauen, und nur diesen Teil betrachten, der immer älter wird. Über die Erkenntnisse, die wir gemacht haben, freuen wir uns weniger. Sondern wir nerven uns über die neuen Falten.

Motivation
Wenn wir uns also bewusst sind, dass unser Gehirn eine Burg ist, und wir jeden Tag wieder Möglichkeit zum Handeln haben, dann sollten wir uns darüber freuen! Noch mehr sollten wir uns von den Zwängen befreien und uns bewusst werden, dass das Handeln in unseren Händen liegt. Wir können die Welt verändern. Sei dies mit Wort, Schrift, Handlungen aller Art. Es liegt an uns – packen wir es an!

Erleben oder ergründen?

Viele Menschen gehen durch ihr Leben und versuchen, möglichst viel zu Erleben und zu Konsumieren. Sie halten die Stille für inhaltslos und können einen Moment der Ruhe nicht aushalten. Das Mobiltelefon immer parat um zu checken, was im Facebook, Snapchat oder auf einem Nachrichten-App so geht. Man übt sich in Zerstreuung und vergisst, sich Gedanken zu machen.

Wenn ich acht Stunden Zeit hätte um einen Baum zu fällen, würde ich sechs Stunden die Axt schleifen. (Abraham Lincoln)
Lincoln bringt etwas auf den Punkt, das in der heutigen Zeit verloren gegangen ist: Das Schleifen der Werkzeuge. Im übertragenen Sinn hacken wir mit einer stumpfen Axt in der Gegend herum und sind froh, wenn zwischendurch ein Baum irgendwo hinfällt. Unsere Welt ist doch geradezu dafür gemacht, in der Gegend herumzutoben, tausend Sachen anzufangen und nie zu einem Ende zu kommen. Doch es ist später, als wir denken! Oder wer von uns lebt schon ewig, um die sinnlos vergeudete Zeit wider mit sinnvollem Inhalt zu füllen?

Erleben oder ergründen
Wenn früher eine Reise machten, so waren wir meist Pilger. Wir schritten den Jakobsweg ab und ruhten zwischendurch und nahmen die spirituelle Kraft wahr. Wenn wir heute eine Reise tun, dann konsumieren wir. Wir reihen Top-Erlebnisse aneinander und machen uns keinerlei Gedanken darüber, was es uns bringt oder wie es uns weiterbringt. Facebook verleitet uns, Bilder zu machen und hochzuladen. Würden wir die Wirklichkeit mit Worten beschreiben, so müsste das Bild zuerst durch unseren Kopf durch und wir könnten das für uns Wesentliche ergründen. Im Louvre gehen alle Menschen die Mona-Lisa fotografieren und stellen das Bild online. Noch im Museum – sie ziehen sich in eine Ecke zurück und laden es hoch. Dabei gibt es abertausende gute Bilder von Mona Lisa. Die Frage: „Wie wirkt das Bild auf mich?“ scheint veraltet. Wir denken, wir könnten uns dann die Frage später stellen. Und dann gibt es noch andere, mindestens so geniale Bilder im Louvre. Das Museum hat sogar einen zweiten Stock, den niemand zu kennen scheint…

Reisen mit Achtsamkeit
Ich habe mir als Kind gewünscht, eine Reise nach Japan zu machen. Als Judoka wollte ich unbedingt die Quelle des Judo und deren Inspiration kennen lernen. So ging ich also nach Japan und versuchte, jeden Moment auf mich wirken zu lassen und mir die wahre Schönheit anzuschauen. Ich hatte in Tokyo und in Kyoto für einen Tag einen Guide, von dem ich mir nicht nur die Sehenswürdigkeiten habe vortragen lassen. In Tokyo regnete es am Tag mit dem Guide den ganzen Tag sintflutartig. So habe ich mit Kyoko den ganzen Tag über Kultur und das „Hintergründige“ gesprochen, währenddem der Kaiserpalast und der Shinto-Shrine im Regen zu erleben waren. Beim Reisen durch den Garten des Shrines in Tokyo hörte ich das Geräusch des Kieses unter meinen Schuhen und die Musik, die der Regen in den schönen Wald brachte. Im Shrine angekommen fand eine Teezeremonie statt und wir waren fast alleine – in der Top-Sightseeing-Destination in Tokyo! Der Guide fragt mich ein paar Mal, ob ich nicht ein Foto machen wolle. Nein. Denn auf dem Foto war die Stimmung depressiv, grau in grau, und sie widerspiegelte meine innere Ruhe und Freude in keinster Weise. Unendliche Geschichten könnte ich noch erzählen – viele Menschen glauben dann, ich wäre jahrelang in Japan unterwegs gewesen. Nein! Ich hatte einfach ganz viel Zeit, mit Achtsamkeit das Wesen und mich selber zu ergründen. Und was gibt es schöneres, als in einem Zen-Garten auf einer Steinbank zu sitzen, und zu sehen, wie der Wind die roten Blätter des Herbsts durch die Gegend trägt? Wie kann man so etwas „fotografieren“, ohne die Essenz zu verlieren? Unmöglich.

Zeit haben
Anstelle unsere Zeit mit unnötigen Zerstreuungen zu „verleben“, empfehle ich, Achtsamkeit zu zelebrieren. Mit Menschen sprechen, sie zu verstehen versuchen, und auch etwas gut sein lassen, was uns vielleicht nicht passt. Nehmen wir uns mehr Zeit, um die Axt zu schleifen. Schärfen wir unseren Verstand, damit wir das richtige Tun, das richtige Sagen und das richtige verstehen! Effektivität vor Effizienz.

Die Natur
Die Natur ist unordentlich und chaotisch – und doch perfekt. Mit dem Perfektionismus der Menschen zerstören wir die Natur. Wir zerstören Lebensräume und die Grundlage der ganzen menschlichen Rasse. Wir sollten uns darüber Gedanken machen, wie wir damit umgehen. Die Welt ist ein wunderschöner Ort und es ist meine und unsere Pflicht, dies unseren Nachkommen auch so zu überlassen! Ohne sich darüber Gedanken zu machen, werden wir nicht richtig handeln. Zeit, sich darüber klar zu werden!